Bevor die Kurgäste kamen – Bad Oeynhausen war Bauernland
Wer heute durch Bad Oeynhausen spaziert, begegnet dem Kurpark, prächtigen Badehäusern, Hotels und gepflegten Alleen. Doch das war nicht immer so. Bevor die Stadt als Heilbad bekannt wurde, war die Gegend von Dörfern, Bauernhöfen, Feldern und Wiesen geprägt. Das heutige Stadtgebiet gehörte zu einer ländlichen Region, in der Landwirtschaft und Handwerk den Alltag bestimmten.
Die Menschen lebten in verstreut liegenden Höfen und kleinen Ortschaften. Das Leben war eng mit der Natur und den Jahreszeiten verbunden. Im Frühjahr wurde gesät, im Sommer mussten die Felder bestellt und das Heu eingebracht werden, im Herbst stand die Ernte an. Getreide, Gemüse und Flachs gehörten zu den wichtigen Erzeugnissen der Landwirtschaft. Vieh wurde gehalten, Vorräte mussten für den Winter angelegt werden.
Die alten Bauernhäuser waren nicht nur Wohngebäude. Im typischen niederdeutschen Hallenhaus lebten Menschen und Tiere unter einem Dach. Auf der großen Deele wurde gearbeitet, Geräte wurden abgestellt und Erntegut verarbeitet. Das offene Herdfeuer war ein zentraler Ort des Hauses. Scheunen, Speicher und Backhäuser ergänzten die Höfe.
Wie das bäuerliche Leben in dieser Region aussah, lässt sich heute auf dem Museumshof im Siekertal entdecken. Die Gebäude stammen aus der Umgebung von Bad Oeynhausen und wurden dort wieder aufgebaut. Das Haupthaus wurde 1739 errichtet, das Heuerlingshaus stammt sogar aus dem Jahr 1654. Sie zeigen, wie die Menschen vor der Industrialisierung lebten und wirtschafteten.
Der Museumshof – ein Stück bäuerliche Vergangenheit
Wer wissen möchte, wie die Menschen in unserer Region vor Jahrhunderten lebten und arbeiteten, sollte dem Museumshof im idyllischen Siekertal einen Besuch abstatten. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein: Alte Fachwerkhäuser, eine Scheune, ein Backhaus, ein Speicher und ein Bauerngarten vermitteln einen Eindruck vom ländlichen Leben vergangener Zeiten.
Der Museumshof wurde am 8. Mai 1969 als Heimatmuseum eröffnet. Seine Entstehung geht auf eine Initiative engagierter Heimatfreunde zurück, die bereits Ende der 1950er-Jahre den Wunsch hatten, die bäuerliche Geschichte der Region für kommende Generationen zu bewahren.
Die historischen Gebäude stammen aus verschiedenen Orten der Umgebung und wurden an ihren ursprünglichen Standorten sorgfältig abgetragen und im Siekertal wieder aufgebaut. Das älteste Gebäude ist das Heuerlingshaus aus dem Jahr 1654. Das Haupthaus, ein typisches niederdeutsches Hallenhaus, wurde 1739 errichtet. Im Inneren lässt sich erahnen, wie eng früher Wohnen, Arbeiten und die Versorgung der Tiere unter einem Dach miteinander verbunden waren.
Zum Hof gehören außerdem ein Backhaus, in dem früher ungefähr alle vier Wochen Brot gebacken wurde, ein Speicher zur Aufbewahrung von Getreide und Vorräten sowie eine Scheune mit historischen landwirtschaftlichen Geräten. Gemeinsam erzählen die Gebäude vom Alltag einer Zeit, in der das Leben auf dem Land noch stark von den Jahreszeiten, der Ernte und der körperlichen Arbeit geprägt war.
Die Hofwassermühle – vom Bauernhof ins Siekertal
Ein besonderes Schmuckstück des Museumshofs ist die historische Wassermühle am Osterbach. Ihre Geschichte begann allerdings nicht in Bad Oeynhausen, sondern im heutigen Enger-Herringhausen. Dort wurde die Mühle 1772 auf dem Hof Bartling errichtet. Über viele Generationen hinweg diente sie als Schrotmühle, in der Getreide für die Viehfütterung zerkleinert wurde.
Bis 1952 war die Mühle dort in Betrieb. Danach verlor sie ihre ursprüngliche Aufgabe. Die Stadt Bad Oeynhausen erwarb das historische Bauwerk 1978, um es für die Nachwelt zu erhalten. Nach dem Abbau und der Einlagerung wurde die Mühle 1984 am Osterbach im Siekertal unter weitgehender Verwendung ihrer Originalteile wieder aufgebaut. Seit 1985 ist sie dort als Museumsmühle zu besichtigen.
Die Mühle besitzt ein mittelschlächtiges Wasserrad und einen sogenannten Schrotgang. Bei Vorführungen können Besucher erleben, wie die Kraft des Wassers genutzt wurde, um Getreide zu mahlen. Ehrenamtliche Müller erklären die historische Technik und zeigen, wie aus Getreide Schrot entsteht.
Ein Besuch lohnt sich besonders, wenn die Mühle in Betrieb ist. Dann wird aus einem historischen Gebäude ein lebendiges Zeugnis alter Handwerkskunst. Während das Wasser den Antrieb liefert, lässt sich gut nachvollziehen, wie wichtig solche Mühlen einst für die Versorgung eines landwirtschaftlichen Hofes waren.
Die Hofwassermühle ist von April bis Oktober an jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Bei den Mühlentagen werden häufig auch Kaffee und selbst gebackener Kuchen angeboten.
