Gedanken zu Integration
Integration ist in Deutschland kein neues Thema.
Seit Jahrzehnten beschäftigt uns die Frage, wie Menschen mit unterschiedlichen Herkunftsgeschichten, Kulturen und Erfahrungen miteinander leben können.
Bereits in den 1950er- und 1960er-Jahren kamen im Rahmen der sogenannten Gastarbeiteranwerbung viele Menschen nach Deutschland. Was zunächst vielfach als zeitlich begrenzter Aufenthalt gedacht war, wurde für viele zu einem dauerhaften Leben hier. Familien kamen nach, Kinder wurden in Deutschland geboren und wuchsen hier auf.
Aus einer zunächst vorübergehend gedachten Arbeitsmigration entwickelte sich zunehmend eine dauerhafte Einwanderungsgesellschaft.
Einer der Menschen, die Deutschland in dieser Zeit politisch geprägt haben, war Helmut Schmidt. Von 1974 bis 1982 war er Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Seine Kanzlerschaft fiel in eine Zeit großer wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und internationaler Herausforderungen. Dazu gehörten die Ölkrisen, wirtschaftliche Veränderungen, der Terrorismus der RAF und die Spannungen des Kalten Krieges. Gleichzeitig setzte Schmidt auf europäische und internationale Zusammenarbeit und prägte die deutsche Politik seiner Zeit maßgeblich.
Auch nach seiner Kanzlerschaft blieb Helmut Schmidt eine wichtige Stimme in gesellschaftlichen Debatten.
2010, viele Jahre nach seiner Zeit als Bundeskanzler, sagte er im Gespräch mit der ZEIT:
„Es ist nicht nur so, dass diese Menschen Schwierigkeiten haben, sich zu integrieren – auch wir haben Schwierigkeiten, sie zu integrieren. Da gibt es vieles nachzuholen.“
Dieser Gedanke ist für mich bis heute wichtig.
Denn Integration ist keine Einbahnstraße.
Es geht nicht nur darum, was Menschen lernen müssen, die nach Deutschland kommen. Es geht auch darum, was eine Gesellschaft lernen kann und vielleicht lernen muss, wenn sie sich verändert.
Damit stellt sich für mich eine Frage, die uns bis heute beschäftigt:
Wie gelingt ein gutes Zusammenleben, wenn Menschen unterschiedliche Wurzeln, Erfahrungen und Vorstellungen vom Leben mitbringen?
Ich bin 1967 geboren. Wenn ich heute auf meine Kindheit zurückblicke, frage ich mich manchmal:
Wo ist unsere Unbekümmertheit geblieben?
Am 8. Januar 1973 lief die erste deutsche Folge der Sesamstraße. Wir Kinder haben gefragt, wenn wir etwas nicht verstanden haben. Wir haben gestaunt, gelacht und gelernt. Wir haben Menschen erlebt, die anders aussahen, anders sprachen oder anders lebten als wir – und wollten vor allem eines: wissen, warum. Neugier war erlaubt, selbstverständlich. Nicht jede Frage wurde zuerst darauf geprüft, ob sie möglicherweise falsch verstanden werden könnte.
Unsere Sprache verändert sich. Begriffe und Darstellungen, die früher selbstverständlich waren, werden heute teilweise anders bewertet. Ich möchte keine alten Begriffe verteidigen. Sprache verändert sich – und wir können daraus nur lernen.
Aber haben wir dabei vielleicht ein Stück unserer Unbekümmertheit verloren, miteinander ins Gespräch zu kommen?
„Wer nicht fragt, bleibt dumm.“
Ich möchte von einer Begegnung erzählen, die mich bis heute beschäftigt.
Ich saß im Zug. Ein Schwarzer Mann saß direkt neben mir. Ihn einfach zu ignorieren, fühlte sich für mich unhöflich an. Also bezog ich ihn ins Gespräch ein und stellte ihm eine Frage.
Ich wollte nicht provozieren oder belehren. Ich wollte verstehen.
Es ging um das Wort „farbig“.
Ich bin 1967 geboren und mit diesem Wort aufgewachsen. Für mich war es immer eine wertneutrale Bezeichnung für Menschen unterschiedlicher Hautfarbe – ohne abwertende Absicht.
Auch heute verbinde ich „farbig“ persönlich mit Vielfalt: unterschiedlichen Kulturen, Sprachen, Lebensweisen und Identitäten. Eine bunte Gesellschaft empfinde ich als Bereicherung. Dazu gehört für mich selbstverständlich auch die Vielfalt der LGBTQ+ Community.
Gleichzeitig weiß ich inzwischen, dass der Begriff heute vielfach kritisch gesehen wird und historisch mit kolonialen Vorstellungen und der Einteilung von Menschen nach Hautfarbe verbunden ist. Das nehme ich ernst.
Ich muss dabei an meine eigene Kindheit denken. Wir haben „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ gespielt. „Schwarz“ wurde für uns Kinder dabei mit etwas Bedrohlichem verbunden.
Heute weiß ich: „Schwarz“ ist eine selbstbewusste und wertschätzende Selbstbezeichnung. Sprache verändert sich – und damit auch die Bedeutung von Wörtern.
Ich wollte verstehen, warum dieser Mensch das Wort „farbig“ anders empfand als ich.
Doch seine Reaktion wurde aggressiv und bedrohlich. Der Satz „Ich bin doch nicht Ihr Lehrer“ und sein Auftreten machten mir Angst. Ich hatte den Eindruck, dass die Situation körperlich eskalieren könnte. Damit war für mich eine Grenze überschritten.
Dabei hätte ein Satz genügt:
„Dieses Wort empfinde ich als verletzend. Bitte benutzen Sie es nicht.“
Das hätte ich respektiert.
Ich muss nicht alles wissen. Fragen zu stellen bedeutet für mich Interesse und die Bereitschaft, dazuzulernen. Natürlich darf jeder sagen: „Darüber möchte ich nicht sprechen.“ Auch das respektiere ich.
Aber eine höfliche Frage rechtfertigt weder Aggression noch Drohungen.
Für mich bedeutet Toleranz deshalb nicht, dass wir alle gleich denken müssen. Sie bedeutet, Unterschiede auszuhalten, zuzuhören und dem anderen nicht vorschnell eine schlechte Absicht zu unterstellen.
Hinschauen statt wegsehen.
Zuhören statt urteilen.
Fragen stellen statt Mauern aufzubauen.
Wir brauchen weniger Gräben und mehr Neugier aufeinander.
Das gilt auch für persönliche Nähe.
Ich empfinde das „Sie“ nicht als Spießigkeit, sondern als Wertschätzung und respektvolle Distanz. Nicht jeder möchte sofort geduzt, berührt oder umarmt werden. Jeder Mensch hat seinen eigenen Raum.
Manchmal wundere ich mich, wie selbstverständlich heute mit Nähe umgegangen wird. Zwei Menschen, die sich noch nie gesehen haben, sitzen zum Beispiel bei einem Vertrag in derselben Kanzlei – und plötzlich wird einfach geduzt. Für mich ist auch das eine Form von Nähe, die ich nicht ungefragt möchte.
Vieles hat sich verändert. Nicht alles daran ist schlecht, und nicht alles ist gut. Vielleicht sollten wir einfach manchmal wieder etwas bewusster darüber nachdenken, was wir eigentlich wie tun – und warum.
Das „Sie“ schafft respektvoll Abstand und kann jederzeit einvernehmlich in ein „Du“ umgewandelt werden. Ein ungefragt ausgesprochenes „Du“ lässt sich dagegen nicht zurücknehmen.
Nähe kann man anbieten, aber nicht einfordern.
Wir müssen nicht alles wissen.
Wir müssen nicht alles verstehen.
Wir müssen nicht derselben Meinung sein.
Aber wir sollten uns mit Respekt und Wertschätzung begegnen.
Und das Schönste daran?
Das alles kostet kein Geld. Aber es kostet Zeit.
Zeit für ein bisschen Respekt, ein offenes Ohr, eine Frage, echtes Interesse und die Bereitschaft, dem anderen seinen Raum zu lassen.
Zeit ist vielleicht das Wertvollste, was wir haben – und gleichzeitig etwas, das wir viel zu wenig bewusst wahrnehmen.
Oft erkennen wir erst viel zu spät, wie wertvoll unsere Zeit eigentlich ist.
Eigentlich gar nicht so schwer, oder? 😉
Wir müssen nicht gleich denken
Ich glaube nicht, dass eine vielfältige Gesellschaft dadurch reich wird, dass am Ende alle dasselbe denken.
Im Gegenteil: Unsere Stärke liegt doch gerade darin, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Erfahrungen, Meinungen und Perspektiven mitbringen. Das ist ein riesiges Lernfeld. Wir müssen dafür nicht alles über den Haufen werfen – aber wir sollten bereit sein, voneinander zu lernen und dabei respektvoll miteinander umzugehen.
Wir dürfen unterschiedliche Meinungen haben. Wir dürfen unterschiedliche Erfahrungen machen und gemacht haben. Wir dürfen Dinge unterschiedlich empfinden. Jeder von uns ist individuell - einzigartig!
Was uns verbinden sollte, ist nicht Gleichheit im Denken, sondern die Bereitschaft, friedlich miteinander zu leben und uns mit Respekt zu begegnen.
"Wir müssen nicht gleich denken, um miteinander in Frieden zu leben."
English
We don't have to think alike to live together in peace.
Français
Nous n'avons pas besoin de penser de la même façon pour vivre ensemble en paix.
Español
No tenemos que pensar igual para vivir juntos en paz.
Italiano
Non dobbiamo pensare allo stesso modo per vivere insieme in pace.
Português
Não precisamos pensar da mesma forma para viver juntos em paz.
Nederlands
We hoeven niet hetzelfde te denken om in vrede samen te leven.
Polski
Nie musimy myśleć tak samo, aby żyć razem w pokoju.
Türkçe
Birlikte barış içinde yaşamak için aynı düşünmek zorunda değiliz.
Arabisch
ليس علينا أن نفكر بالطريقة نفسها لكي نعيش معًا بسلام.
Hebräisch
אנחנו לא חייבים לחשוב אותו דבר כדי לחיות יחד בשלום.
Griechisch
Δεν χρειάζεται να σκεφτόμαστε το ίδιο για να ζούμε μαζί ειρηνικά.
Russisch
Нам не обязательно думать одинаково, чтобы жить вместе в мире.
Ukrainisch
Ми не повинні думати однаково, щоб жити разом у мирі.
Chinesisch
我们不必有相同的想法,也可以和平共处。
Japanisch
同じように考えなくても、私たちは平和に共に生きることができます。
Koreanisch
우리는 같은 생각을 하지 않아도 평화롭게 함께 살아갈 수 있습니다.
Hindi
शांति से साथ रहने के लिए हमारा एक जैसा सोचना ज़रूरी नहीं है।
Vielleicht sind einzelne Übersetzungen nicht ganz korrekt oder klingen in der jeweiligen Sprache etwas ungewohnt. Dann dürfen Sie mir gerne einen freundlichen Hinweis geben
Denn ich bin nicht perfekt. Und das möchte ich auch gar nicht sein. Für mich würde Perfektion Stillstand bedeuten – und ich bin viel zu neugierig auf das Leben, um stehen zu bleiben.
Ich möchte lernen. Ich möchte Fragen stellen und mich korrigieren dürfen – so wie ich das auch anderen Menschen zugestehe. Unser Leben ist nicht statisch. Es ist ständig in Bewegung. Deshalb sollten wir wachsam bleiben – auch uns selbst gegenüber.
Mein Wunsch
Ich wünsche uns die Kraft, hinzuschauen statt wegzusehen.
Die Energie, zu fragen statt vorschnell zu urteilen.
Die Offenheit, zuzuhören, auch wenn wir etwas anders empfinden.
Ich wünsche uns mehr Neugier aufeinander, mehr Respekt, mehr Wertschätzung.
Als Coach gebe ich nicht vor, was richtig oder falsch zu denken ist.
Ich möchte zum Nachdenken einladen, Fragen zulassen, mich selbst korrigieren dürfen und unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch bringen – so, wie ich es auch anderen Menschen zugestehe. Wir müssen nicht alles wissen und nicht alles sofort richtig machen.
Wir können mit- und voneinander lernen. Und vielleicht müssen wir einfach wieder anfangen, miteinander zu reden.
Weg vom Monolog – hin zum Dialog.
Miteinander statt übereinander.
Ihre
Lady Rubina
Coach
Der kleine Fisch und die Kraft der Gemeinschaft
Tief unten im blauen Meer lebte ein kleiner Fisch namens Fino.
Fino war neugierig, freundlich und liebte es, durch die Korallen zu schwimmen. Doch oft fühlte er sich klein und unbedeutend.
„Ich bin nur ein kleiner Fisch“, dachte Fino manchmal. „Was kann ich schon bewirken?“
Eines Tages kamen große Raubfische in das Gebiet. Sie schwammen langsam durch das Wasser und suchten nach Beute. Viele kleine Fische bekamen Angst und versteckten sich zwischen den Felsen.
Auch Fino hatte Angst. Sein Herz klopfte schnell.
Doch dann sah er etwas Erstaunliches: Die vielen kleinen Fische schwammen nicht mehr einzeln davon. Sie fanden sich zusammen und bildeten einen riesigen Schwarm. Tausende kleine Körper bewegten sich gemeinsam – wie ein einziger großer Fisch.
Die großen Raubfische waren überrascht. Sie konnten nicht erkennen, wo ein einzelner Fisch war. Der Schwarm bewegte sich gemeinsam, änderte blitzschnell die Richtung und zeigte eine unglaubliche Stärke.
Fino staunte.
„Alleine bin ich klein“, dachte er. „Aber zusammen sind wir stark.“
Von diesem Tag an wusste Fino: Jeder Einzelne ist wichtig. Es kommt nicht darauf an, wie groß oder stark man alleine ist. Wenn Menschen oder Tiere zusammenhalten, aufeinander achten und gemeinsam handeln, können sie Dinge schaffen, die niemand alleine schaffen würde.
Und so schwamm Fino glücklich mit seinem Schwarm durch das Meer – nicht mehr als kleiner Fisch, der Angst hatte, sondern als Teil einer starken Gemeinschaft.
Denn viele kleine Kräfte können gemeinsam etwas Großes bewirken.
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