Bad Oeynhausen – ein Kurort, der viel erlebt hat

Eine Entdeckungsreise von den Anfängen des Heilbades über die britische Besatzungszeit bis zum Neubeginn.

Vorwort: Eine Stadt mit vielen Geschichten

Bad Oeynhausen ist heute als Kurort bekannt. Menschen kommen hierher, um sich zu erholen, durch den Kurpark zu spazieren, historische Gebäude zu bewundern und die besondere Atmosphäre der Stadt zu genießen. Bad Oeynhausen ist nicht nur für seinen historischen Kurpark und seine lange Tradition als Heilbad bekannt. Die Stadt hat sich auch zu einem bedeutenden Standort moderner Medizin entwickelt.

Das Herz- und Diabeteszentrum (HDZ NRW) genießt einen weit über die Region hinausreichenden Ruf. Als Universitätsklinik behandelt es Menschen mit komplexen Herz- und Kreislauferkrankungen. Besonders bekannt ist das Zentrum für seine Herzchirurgie und seine Spezialisierung auf Herztransplantationen.

Doch hinter den schönen Fassaden und gepflegten Parkanlagen verbirgt sich eine Geschichte, die weit über Gesundheit und Erholung hinausgeht.

Sie erzählt von einer zufällig entdeckten Solequelle, von mutigen Entscheidungen und großen Hoffnungen. Sie erzählt aber auch von politischer Verfolgung, Krieg, Zwangsräumung und einer Stadt, deren Innenstadt jahrelang von der britischen Besatzungsmacht genutzt wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Bad Oeynhausen zum Hauptquartier der britischen Rheinarmee. Die Entscheidung hatte dramatische Folgen für die Bevölkerung: Im Mai 1945 mussten rund 9.000 Menschen ihre Häuser, Wohnungen, Hotels und Geschäfte in einem großen Innenstadtgebiet verlassen. Hinter einem Stacheldrahtzaun entstand ein militärischer Sperrbezirk, der über Jahre bestehen blieb.

Zwar beschlagnahmten die britischen Streitkräfte auch in anderen deutschen Städten Gebäude und Wohnungen. Doch die weitreichende Räumung der Bad Oeynhausener Innenstadt und die Nutzung des Kurortes als Hauptquartier prägten die Stadt in außergewöhnlichem Maße. Erst 1954 endete die britische Besatzungszeit.

Mein Poffel nimmt Sie mit auf eine Reise durch diese bewegte Vergangenheit.

Dabei gilt: Geschichte besteht nicht nur aus Jahreszahlen. Sie besteht vor allem aus Menschen, ihren Erlebnissen, ihren Hoffnungen und ihren Schicksalen.

Und manchmal entdeckt man gerade dann etwas Besonderes, wenn man genauer hinsieht.

1. Wie alles begann: Salz, Sole und eine große Idee

Die Geschichte Bad Oeynhausens beginnt nicht mit prächtigen Badehäusern oder einem berühmten Kurpark. Sie beginnt mit salzhaltigem Wasser.

In den Jahren 1745/46 wurden auf dem Grundstück des Bauern Sültemeyer Solevorkommen entdeckt. Die Sole wurde zunächst zur Salzgewinnung genutzt. Es entstand die Saline Neusalzwerk.

Doch das salzhaltige Wasser sollte den Ort später noch auf ganz andere Weise bekannt machen.

Zwischen 1830 und 1845 ließ der preußische Oberbergrat Carl von Oeynhausen weitere Bohrungen nach Thermalsole durchführen. Ziel war es, die Voraussetzungen für ein Heilbad zu schaffen.

1839 wurde das erste Heilbad verabreicht. 1845 begann die erste Badesaison.

1848 verlieh König Friedrich Wilhelm IV. der Badeanstalt den Namen „Bad Oeynhausen“.

Damit begann der Aufstieg zu einem bedeutenden Heilbad.

Der Kurpark entsteht

Ein Kurort braucht mehr als heilkräftiges Wasser. Er braucht auch einen Ort, an dem Menschen spazieren gehen, sich begegnen und zur Ruhe kommen können.

1853 wurde der Kurpark nach Plänen des berühmten preußischen Gartenkünstlers Peter Joseph Lenné angelegt.

Mit seinen Wegen, Grünflächen und repräsentativen Gebäuden entwickelte sich Bad Oeynhausen zunehmend zu einem beliebten Ziel für Kurgäste.

1859/60 entstand die Stadtgemeinde Oeynhausen und erhielt Stadtrechte.

Aus einer Gegend, die zunächst durch Salzgewinnung geprägt war, war ein Heilbad mit einer eigenen städtischen Entwicklung geworden.

Poffel meint:

„Stellen Sie sich das einmal vor! Erst sucht man nach Sole, und am Ende entsteht daraus ein ganzer Kurort. Manchmal beginnt etwas Großes mit einer Entdeckung, die zunächst ganz unscheinbar wirkt.“

Entdeckertipp:
Wenn Sie heute durch den Kurpark spazieren, können Sie sich vorstellen, wie sich Bad Oeynhausen im 19. Jahrhundert zu einem eleganten Heilbad entwickelte. Die historischen Gebäude und die Parkanlage erinnern noch immer an diese Zeit. Entdecken Sie auch den wertvollen alten Baumbestand im Kurgarten.

2. Bad Oeynhausen in dunklen Zeiten

Die Geschichte einer Stadt besteht nicht nur aus Fortschritt und schönen Momenten. Auch Bad Oeynhausen blieb von den Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur nicht verschont.

Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus

Zwischen 1933 und 1945 wurden Andersdenkende verfolgt und verhaftet. Jüdische Einwohner wurden entrechtet, wirtschaftlich ausgegrenzt und schließlich deportiert.

Markante Erinnerungsorte in Bad Oeynhausen halten die Schicksale der Verfolgten bis heute im öffentlichen Bewusstsein und mahnen, die Erinnerung wachzuhalten.

  • Stolpersteine: In den Gehwegen erinnern 34 Stolpersteine an Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Jeder Stein steht für einen einzelnen Menschen und dessen Lebensgeschichte. badoeynhausen.de
  • Gedenkbrunnen an der Auferstehungskirche: Dieser Erinnerungsort mahnt zum Gedenken an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die während der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden. badoeynhausen.de
  • Gedenkstätte Familie Grünenklee in Volmerdingsen: Eine Gedenktafel erinnert an Hermann, Bertha, Heinz und Ilse Grünenklee sowie an weitere jüdische Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft. badoeynhausen.de
  • Gedenktafel in der Weststraße 8a: Sie erinnert an die ehemalige Kurpension „Haus Bromberg“, die 1941 zur Zwangsunterkunft für die letzten jüdischen Bürger Bad Oeynhausens erklärt wurde. badoeynhausen.de
  • Gedenkstätte am Werre-Radweg: Eine Gedenktafel erinnert an die Zwangsarbeiter, die während des Zweiten Weltkriegs unter anderem bei der Weserhütte arbeiten mussten, sowie an die Opfer eines schweren Bombenangriffs im Jahr 1945. badoeynhausen.de

Diese Orte zeigen, dass die Geschichte Bad Oeynhausens nicht nur von der Entwicklung zum Heilbad und den Jahren der britischen Besatzung erzählt. Sie erinnert auch an Menschen, deren Leben durch Verfolgung, Entrechtung und Gewalt zerstört wurde.

Poffel wird nachdenklich:

„Hinter jedem Namen steckt ein Mensch, eine Familie und eine Lebensgeschichte. Wenn wir an diese Menschen erinnern, geben wir ihnen einen Platz in unserer gemeinsamen Geschichte.“

Weitere Informationen: Erinnerungsorte in Bad Oeynhausen – offizielle Stadtseite

Auch die Bevölkerung Bad Oeynhausens litt unter den Folgen des Krieges.

Die Stadtchronik nennt 447 gestorbene Soldaten aus Oeynhausen sowie etwa 250 Zivilisten und Zwangsarbeiter, die durch Bombenangriffe ums Leben kamen. Diese Angaben beziehen sich auf die dort aufgeführten Opfergruppen und sind keine vollständige Bilanz sämtlicher Kriegsopfer.

Das Kriegsende brachte deshalb nicht automatisch Frieden und Normalität in den Alltag der Menschen zurück.

Für Bad Oeynhausen sollte eine besonders ungewöhnliche Zeit beginnen.

3. 1945: Die Briten kommen

Im April 1945 erreichte der Krieg Bad Oeynhausen.

Am 3. April rückten amerikanische Truppen in die Stadt ein. Am 17. April übernahmen britische Truppen die Stadt.

Die britische Militärverwaltung entschied sich, Bad Oeynhausen als Standort ihres Hauptquartiers zu nutzen.

Die Stadt war verkehrsgünstig gelegen und verfügte über zahlreiche Gebäude, die sich für militärische und administrative Zwecke eigneten.

Was aus Sicht der Militärverwaltung praktisch erschien, bedeutete für die Einwohner einen tiefgreifenden Einschnitt.

Denn die Briten wollten nicht nur einzelne Gebäude nutzen. Ein großer Teil der Innenstadt wurde für die Besatzungsmacht benötigt.

Die Folgen sollten das Leben tausender Menschen verändern.

Poffel fragt sich:

„Wie fühlt sich das wohl an, wenn man plötzlich erfährt, dass die eigene Wohnung nicht mehr die eigene Wohnung sein soll? Wenn Straßen, Häuser und vertraute Plätze auf einmal nicht mehr frei zugänglich sind?“

Diese Fragen führen uns zum einschneidendsten Kapitel der Nachkriegszeit in Bad Oeynhausen.

4. Mai 1945: Eine Stadt muss ihre Häuser verlassen

Am 3. Mai 1945 ordnete die britische Militärverwaltung die Räumung eines großen Innenstadtgebiets an.

Die betroffenen Bewohner mussten ihre Wohnungen verlassen, damit die Gebäude für die Besatzungsmacht genutzt werden konnten.

Die historische Forschung nennt nahezu 1.000 betroffene Häuser. Zwischen 6.500 und 9.000 Menschen mussten ihre Wohnungen und Häuser verlassen.

Am 4. Mai wurde die Räumungsanordnung bekannt gemacht.

Die Menschen im betroffenen Gebiet mussten ihre Häuser bis zum 12. Mai verlassen.

Für viele Familien bedeutete das, innerhalb kürzester Zeit eine neue Unterkunft finden zu müssen. Sie mussten Verwandte oder Bekannte um Hilfe bitten oder andere Unterbringungsmöglichkeiten suchen.

Die Innenstadt wurde zu einem mit Stacheldraht weitgehend abgesperrten Bereich.

Vertraute Straßen, Geschäfte und Gebäude waren für viele Einwohner nicht mehr frei zugänglich. Das bisherige Leben ließ sich nicht einfach fortsetzen.

Die Räumung war eine einschneidende Erfahrung für die Betroffenen. Sie verloren nicht nur ihre gewohnte Umgebung, sondern mussten auch mit der Unsicherheit umgehen, wie lange dieser Zustand anhalten würde.

Eine Stadt hinter Zaun und Stacheldraht

Die britische Besatzungsmacht richtete ihr Hauptquartier in Bad Oeynhausen ein. Die Innenstadt wurde durch einen Zaun abgegrenzt und militärisch genutzt.

Damit veränderte sich die Stadt nicht nur äußerlich. Auch das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben wurde stark beeinträchtigt.

Der Kurort, der zuvor für Erholung und Gesundheit bekannt gewesen war, wurde zu einem wichtigen Standort der britischen Militärverwaltung.

Poffel wird nachdenklich:

„Ein Zaun kann mehr sein als eine Grenze zwischen zwei Straßen. Er kann Menschen voneinander trennen, Gewohnheiten zerstören und dafür sorgen, dass ein vertrauter Ort plötzlich fremd erscheint.“

Warum Zeitzeugenberichte so wichtig sind

Zahlen und Dokumente helfen uns, historische Ereignisse einzuordnen.

Doch erst persönliche Erinnerungen machen deutlich, was solche Ereignisse für die Menschen bedeuteten.

Die Zeitzeugin Ilse Hahne berichtete später von den Erfahrungen während der Besatzungszeit. Ihre Erinnerungen zeigen unter anderem, wie Menschen versuchten, anderen zu helfen, die ihre Wohnungen verlassen mussten.

Solche Berichte machen deutlich, dass Geschichte nicht nur von politischen Entscheidungen und militärischen Planungen geprägt wird.

Sie wird auch von Nachbarschaft, Hilfsbereitschaft und dem Versuch bestimmt, unter schwierigen Bedingungen einen Alltag aufrechtzuerhalten.

Weiterlesen:
Zeitzeugin Ilse Hahne erinnert sich an die Besatzungszeit – Neue Westfälische

5. Neun Jahre britisches Hauptquartier

Von 1945 bis 1954 blieb Bad Oeynhausen ein bedeutender Standort der britischen Rheinarmee.

Zwischen Besatzung und Begegnung

Die Innenstadt wurde militärisch genutzt. Für die deutsche Bevölkerung war der Zugang zu den gesperrten Bereichen nur mit Genehmigung möglich. Anfangs war das Verhältnis zwischen den Deutschen und den britischen Besatzern häufig von Misstrauen, Unsicherheit und Distanz geprägt. Doch mit der Zeit wurde der Umgang miteinander vielerorts lockerer. Aus ersten Begegnungen entstanden Bekanntschaften und Freundschaften, in manchen Fällen sogar enge persönliche und familiäre Bindungen.

Der Alltag veränderte sich Schritt für Schritt. Was zunächst wie eine strikte Trennung zwischen Besatzern und Bevölkerung erschien, wich mancherorts einem zunehmend normalen Miteinander. Und einige dieser Verbindungen bestanden auch nach dem Abzug der britischen Soldaten im Jahr 1954 weiter. Die Besatzungszeit hinterließ damit nicht nur Spuren im Stadtbild, sondern veränderte auch das Leben und die Beziehungen der Menschen.

Die Entwicklung vom anfänglichen Misstrauen zu persönlichen Beziehungen ist auch aus anderen Teilen Deutschlands dokumentiert. Für Bad Oeynhausen sind die langjährigen Kontakte zwischen britischen Militärangehörigen und der Bevölkerung ebenfalls belegt. Neue Westfälische

Auch das Kurwesen war betroffen.

Hotels und andere Gebäude wurden für die Besatzungsmacht genutzt. Der Kurort konnte seine ursprüngliche Funktion nicht in der gewohnten Weise erfüllen.

Während die Militärverwaltung ihre Einrichtungen betrieb, mussten die Einwohner versuchen, unter den veränderten Bedingungen wieder einen Alltag aufzubauen.

Für die Stadt bedeutete diese Zeit eine außergewöhnliche Belastung.

Bad Oeynhausen war nicht einfach nur eine Stadt, in der britische Soldaten stationiert waren. Die Besatzungsmacht prägte über Jahre hinweg die Nutzung der Innenstadt und das Leben der Bevölkerung.

Die Erfahrungen dieser Zeit waren unterschiedlich. Manche Menschen versuchten, sich mit den neuen Verhältnissen zu arrangieren. Andere litten unter den Einschränkungen und dem Verlust ihrer vertrauten Umgebung.

Für viele blieb die Räumung der Innenstadt ein einschneidendes Erlebnis.

Ein Roman macht die Zeit lebendig

Wer sich für die britische Besatzungszeit interessiert, kann neben historischen Dokumenten auch einen Roman lesen, der diese Zeit literarisch verarbeitet.

Theresia Graw: Don't kiss Tommy – Eine Liebe in der Stunde Null

Der Roman spielt im Bad Oeynhausen der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Im Mittelpunkt stehen die beiden jungen Frauen Anne und Rosalie, deren Lebenswege durch die britische Besatzung geprägt werden.

Anne und ihre Familie müssen ihr Kurhotel aufgeben und in eine Baracke außerhalb der Sperrzone ziehen. Ihre Freundin Rosalie versucht, sich mit den neuen Verhältnissen zu arrangieren. Anne dagegen lehnt sich gegen die Situation auf und gerät immer wieder mit dem britischen Colonel Michael Hunter aneinander.

Der Roman verbindet eine Liebesgeschichte mit dem historischen Hintergrund einer Stadt, deren Innenstadt abgeriegelt und für die britische Militärverwaltung genutzt wurde.

Mein Poffel empfiehlt:

„Manchmal versteht man eine historische Zeit besser, wenn man sich vorstellt, wie sie sich für einzelne Menschen angefühlt haben könnte. Ein Roman kann dafür einen Zugang schaffen – auch wenn er kein Geschichtsbuch ersetzt.“

6. Der Weg zurück zum Heilbad

Das Ende des Zweiten Weltkriegs und der Beginn der Besatzungszeit bedeuteten für Bad Oeynhausen einen tiefgreifenden Wandel.

Doch die Stadt entwickelte sich weiter.

1946 ging das Preußische Staatsbad in das Eigentum des Landes Nordrhein-Westfalen über.

1952 wurde das Badehaus I wiedereröffnet.

1954 endete die britische Besatzungszeit in Bad Oeynhausen.

Das Kurhaus konnte 1956 wiedereröffnet werden.

Diese Jahreszahlen zeigen, dass die Rückkehr zum Kurleben schrittweise erfolgte. Mit dem Abzug der britischen Truppen war nicht von einem Tag auf den anderen alles wieder so wie zuvor.

Gebäude mussten wieder ihrer ursprünglichen Nutzung zugeführt werden. Die Stadt musste sich neu organisieren und ihre Funktion als Heilbad zurückgewinnen.

Bad Oeynhausen knüpfte damit nach und nach wieder an seine Tradition als Kurort an.

Mein Poffel blickt optimistisch nach vorn:

„Nach einer so schwierigen Zeit wieder neu anzufangen, ist bestimmt nicht einfach. Aber Bad Oeynhausen hat gezeigt, dass eine Stadt ihre Geschichte nicht nur ertragen, sondern auch aus ihr heraus neu wachsen und sich wieder entwickeln kann.“

7. Bad Oeynhausen heute: Mehr als ein Kurort

Wer heute durch Bad Oeynhausen geht, begegnet einer Stadt mit vielen unterschiedlichen Geschichten.

Der Kurpark erinnert an die Entwicklung zum Heilbad. Historische Badehäuser und repräsentative Gebäude erzählen von einer Zeit, in der Gesundheit und Erholung den Ort prägten und bis heute prägen.

Doch die Geschichte der Stadt endet nicht bei Solequellen, Parkanlagen und Kurgebäuden.

Sie erzählt ebenso von Menschen, die während der nationalsozialistischen Diktatur verfolgt wurden. Sie erzählt von den Folgen des Zweiten Weltkriegs und von den Einwohnern, die 1945 ihre Häuser verlassen mussten.

Sie erzählt von einer Innenstadt, die jahrelang für militärische Zwecke genutzt wurde, und von einem Kurort, der seine ursprüngliche Funktion erst schrittweise zurückgewann.

Bad Oeynhausen ist deshalb nicht nur ein Ort der Erholung. Die Stadt ist auch ein Ort, an dem sich die Folgen von Krieg, Besatzung und gesellschaftlichem Wandel nachvollziehen lassen.

Wer die Stadt besucht, kann sich auf eine besondere Entdeckungsreise begeben: durch historische Gebäude, Parkanlagen und Straßen, aber auch durch die Erinnerungen der Menschen, die hier gelebt haben.

Poffels Schlussgedanke

„Wenn Sie das nächste Mal durch den Kurpark gehen, schauen Sie ruhig ein wenig genauer hin. Hinter jedem alten Gebäude und hinter jeder Straße kann eine Geschichte stecken.

Manche Geschichten machen uns stolz. Andere stimmen uns nachdenklich.

Aber alle zusammen helfen uns, zu verstehen, wie eine Stadt zu dem geworden ist, was sie heute ist.“

Entdeckertipps für Gäste und Neugierige

Wer den Kurort Bad Oeynhausen nicht nur kennenlernen, sondern auch seine Geschichte entdecken möchte, kann verschiedene Anlaufstellen nutzen.

1. Der historische Kurpark

Der Kurpark gehört zu den prägenden Orten der Stadtgeschichte.

Hier lässt sich die Entwicklung Bad Oeynhausens zum Heilbad besonders gut nachvollziehen.

Tipp: Verbinden Sie einen Spaziergang durch den Park mit einem Blick auf die historischen Gebäude. Achten Sie dabei darauf, wie die Architektur und die Parkgestaltung den Charakter eines klassischen Kurortes prägen.

2. Theater im Park – Bad Oeynhausen

Seit 1915 begeistert das historische Theater im Park seine Besucher. 2026 feiert es seinen 111. Geburtstag. Im eleganten Neo-Rokoko-Stil erbaut, verbindet es bis heute Geschichte, Kultur und Unterhaltung mitten im wunderschönen Kurpark. staatsbad-oeynhausen.de

Klein, aber fein! Ein Besuch lohnt sich immer – die Spielzeit ist absolut empfehlenswert!

3. Das Badehaus I

Das Badehaus I gehört zu den wichtigen historischen Gebäuden des Heilbades.

Seine Wiedereröffnung im Jahr 1952 war auch ein Zeichen dafür, dass Bad Oeynhausen nach den Kriegs- und Besatzungsjahren schrittweise zu seiner ursprünglichen Aufgabe zurückkehrte.

4. Das Kurhaus – vom Besatzungsquartier zum Ort der Unterhaltung

Das Kurhaus ist eng mit der Geschichte des Kurortes verbunden. Nach dem Abzug der britischen Besatzungsmacht konnte es 1956 wiedereröffnet werden. Während der Besatzungszeit hatte das Gebäude als Kantine gedient.

Heute trägt das historische Gebäude den Namen Kaiserpalais. Seit dem Jahr 2000 ist hier das GOP Varieté-Theater beheimatet. Damit ist das einstige Kurhaus bis heute ein Ort der Begegnung und Unterhaltung – allerdings in einer ganz anderen Form als zu seiner ursprünglichen Zeit als gesellschaftlicher Mittelpunkt des Heilbades. gaerten-in-westfalen.de

5. Die Wandelhalle – Heilwasser und Kurkonzerte

Die Wandelhalle ist ein wichtiger Bestandteil der Bad Oeynhausener Kurtradition. Hier können Sie das Bad Oeynhausener Solewasser kennenlernen und probieren. Regelmäßig finden außerdem kostenlose Kurkonzerte statt, die Musik und Erholung miteinander verbinden. Die genauen Konzerttermine erfahren Sie vor Ort oder im Veranstaltungskalender des Staatsbades.

6. Das Haus des Gastes

Direkt gegenüber befindet sich das Haus des Gastes. Dort erhalten Sie Informationsmaterial, Broschüren und Tipps für Ihren Aufenthalt in Bad Oeynhausen. Ein kleiner Shop bietet zudem ausgewählte Produkte an, darunter auch Artikel, die echtes Bad Oeynhausener Solewasser enthalten.

7. Kaffeepause in Bad Oeynhausen

Wer in der Innenstadt gemütlich Kaffee trinken möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Diese Adressen möchte ich Ihnen besonders ans Herz legen – jede auf ihre eigene Art.

Café Finselbach – eine lange Tradition
Das Café Finselbach in der Klosterstraße 9 ist ein echtes Traditionshaus. Die Konditorei wurde 1906 gegründet. Hier erwarten Sie Kaffee, handgefertigte Torten und Kuchen. Ein schöner Ort für eine klassische Kaffeepause. Staatsbad Bad Oeynhausen

Café Herzstück – Kaffee mit besonderer Note
In der Klosterstraße 28 erwartet Sie das Café Herzstück in einer denkmalgeschützten Villa. Neben hausgemachtem Kuchen gibt es Frühstück, einen wechselnden Mittagstisch und Kaffee aus einer lokalen Rösterei. Auch pflanzliche Speisen und kleine Mitbringsel gehören zum Angebot. herzstueck-cafe.de

Café „einfach so“ – Gastfreundschaft ohne feste Preise
Das ehrenamtlich unterstützte Café in der Klosterstraße 7–7a funktioniert anders als gewöhnliche Cafés: Sie geben für Kaffee und Kuchen, was Sie können und möchten. Das gemeinnützige Projekt finanziert sich über Spenden und schafft Raum für Begegnungen, Kunst und Kultur. Die aktuellen Öffnungszeiten sollten Sie vor Ihrem Besuch prüfen. Staatsbad Bad Oeynhausen

Das Café an der Auferstehungskirche

Ein weiterer besonderer Anlaufpunkt ist das Café an der Auferstehungskirche am Kurpark. Hier bekommen Sie guten Kaffee und selbst gebackenen Kuchen zu Preisen, die für jeden erschwinglich sein sollen. Das Café wird ehrenamtlich betrieben. Mit den Einnahmen wird die Kirchenmusik der Auferstehungskirche unterstützt. Eine schöne Idee, bei der Genuss, Gemeinschaft und die Förderung der Kultur Hand in Hand gehen!

Die Innen|Stadt|Kirche – ein Ort der Begegnung

Auch die Innen|Stadt|Kirche in der Bahnhofstraße 2 ist eine Adresse, die Sie bei Ihrem Rundgang im Blick behalten können. Sie versteht sich als Ort, an dem Menschen zusammenkommen und Gemeinschaft erleben. Über Gottesdienste, Veranstaltungen und aktuelle Begegnungsangebote informiert die Website der Innen|Stadt|Kirche. Welche Kaffee- oder Musikangebote stattfinden, erfahren Sie am besten direkt dort.

Meine Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Gerade in einer Innenstadt, die sich verändert, lohnt es sich, neugierig zu bleiben. Denn manchmal findet man die schönsten Plätze dort, wo man sie gar nicht erwartet.

8. Oldtimerbustouren, EMIL und Verkehrshaus in Bad Oeynhausen

Wer Bad Oeynhausen auf besondere Weise entdecken möchte, findet mit den Oldtimerbustouren und EMIL, dem Wolkenschieber, interessante Möglichkeiten, die Stadt und ihre Geschichte kennenzulernen. Das Verkehrshaus Café & Weinstube ist dabei ein Anlaufpunkt für Besucher.

Weitere Informationen und Kontakt:

Für konkrete Auskünfte zu Fahrzeiten, Angeboten und Buchungen empfiehlt es sich, direkt beim jeweiligen Anbieter nachzufragen.

9. Die alte Druckerei – heute ein lebendiger Kulturort

Die Geschichte dieses Gebäudes reicht bis ins Jahr 1889 zurück. Damals wurde es als Verwaltungs- und Fabrikgebäude der Grafischen Anstalt und Druckerei I. & C. Meyer errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es von der britischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und später von der Firma Ormig genutzt.

Heute beherbergt das historische Gebäude in der Kaiserstraße 14 sowohl die Volkshochschule (VHS) als auch das Druckerei-Begegnungszentrum. Seit 1985 ist die Druckerei ein wichtiger Kulturort der Stadt. dbbo.de

Hier finden Sie ein vielfältiges Programm mit Konzerten, Kabarett, Theater, Kneipen-Quiz und weiteren Veranstaltungen. Das Zentrum lebt stark vom Engagement seiner Mitglieder und ehrenamtlichen Helfer. Es ist ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, Kultur erleben und selbst aktiv werden können.

Ein schönes Beispiel dafür, wie aus einem historischen Industriegebäude ein lebendiger Treffpunkt für Bildung, Kultur und Gemeinschaft geworden ist.

Programm und Informationen: Die Druckerei Bad Oeynhausen

10. Das Stadtarchiv Bad Oeynhausen

Wer tiefer in die Stadtgeschichte einsteigen möchte, findet im Stadtarchiv historische Dokumente und Informationen zu wichtigen Ereignissen.

Besonders interessant ist das Archiv für alle, die mehr über die Räumung der Innenstadt, die Besatzungszeit und die Entwicklung des Kurortes erfahren möchten.

Kontakt:

Stadtarchiv Bad Oeynhausen
Von-Moeller-Straße 9
32545 Bad Oeynhausen

Telefon: 05731 14-3421
E-Mail: stadtarchiv@badoeynhausen.de

Website des Stadtarchivs

11. Auf den Spuren der Besatzungszeit

Die britische Besatzungszeit lässt sich besonders gut durch historische Dokumente, Fotografien und Zeitzeugenberichte nachvollziehen.

Die folgenden Beiträge bieten einen Einstieg:

Poffels Tipp:

„Geschichte wird besonders spannend, wenn Sie nicht nur lesen, was passiert ist, sondern auch erfahren, wie Menschen es erlebt haben.“

Bücher und Quellen für alle, die mehr wissen möchten

Wer sich intensiver mit Bad Oeynhausen beschäftigen möchte, findet sowohl historische Fachliteratur als auch einen Roman über die britische Besatzungszeit.

1. Bad Oeynhausen zwischen Krieg und Frieden

Rico Quaschny (Hrsg.): Bad Oeynhausen zwischen Krieg und Frieden. Kriegsende und Besatzungszeit in Zeitzeugnissen und Erinnerungen.

Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld
Dritte Auflage: 2015
Umfang: 400 Seiten, 100 Schwarz-Weiß-Abbildungen
ISBN: 978-3-89534-621-7

Preis laut Arbeitskreis für Heimatpflege: 19 Euro zuzüglich Versandkosten.

Dieses Buch beschäftigt sich mit dem Kriegsende und der Besatzungszeit in Bad Oeynhausen. Es enthält Tagebuchaufzeichnungen, persönliche Erinnerungen und historische Dokumente.

Im Anhang befinden sich unter anderem der Räumungsbefehl von 1945 und eine Karte des gesperrten Stadtgebiets.

Wer verstehen möchte, wie die britische Besatzung das Leben der Einwohner veränderte, findet hier eine wichtige Grundlage.

Weitere Informationen beim Arbeitskreis für Heimatpflege

2. Don't kiss Tommy – Eine Liebe in der Stunde Null

Theresia Graw: Don't kiss Tommy – Eine Liebe in der Stunde Null.

Ullstein extra, 2024
Umfang: 512 Seiten
ISBN: 978-3-86493-206-9

Der historische Roman spielt im Bad Oeynhausen der Nachkriegszeit.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird die Innenstadt zum Hauptquartier der britischen Rheinarmee. Ein Zaun trennt das Sperrgebiet von den übrigen Stadtteilen, und zahlreiche Einwohner müssen ihre Wohnungen verlassen.

Im Mittelpunkt stehen Anne und Rosalie, zwei junge Frauen, die auf unterschiedliche Weise versuchen, mit den neuen Lebensumständen zurechtzukommen.

Das Buch bietet einen literarischen Zugang zur Besatzungszeit und macht die historischen Umstände anhand persönlicher Schicksale anschaulich.

Es handelt sich um einen Roman. Für die Überprüfung historischer Einzelheiten sollten zusätzlich historische Quellen und Zeitzeugenberichte herangezogen werden.

Zum Buch beim Ullstein Verlag

3. Stadtführer Bad Oeynhausen

Rico Quaschny: Stadtführer Bad Oeynhausen. Stadtgeschichte – Streifzüge – Stadtteile.

Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld, 2008.

Preis laut Stadtarchiv: 9,90 Euro.

Der Stadtführer verbindet die Geschichte der Stadt mit konkreten Orten, Gebäuden und Stadtteilen.

Er eignet sich besonders für Gäste, die Bad Oeynhausen zu Fuß erkunden und dabei mehr über die historische Entwicklung erfahren möchten.

Informationen beim Stadtarchiv

4. Chronik von Bad Oeynhausen

Paul Baehr: Chronik von Bad Oeynhausen.

Nachdruck der Ausgabe von 1909
Mit einer Einführung von Rico Quaschny
Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld, 2009.

Preis laut Stadtarchiv: 19 Euro.

Diese Chronik vermittelt einen Einblick in die frühe Entwicklung der Stadt und des Heilbades.

Für die Geschichte der britischen Besatzungszeit ist sie vor allem eine ergänzende Quelle, da sie ursprünglich aus einer deutlich früheren Zeit stammt.

Informationen beim Stadtarchiv

5. Die offizielle Stadtchronik

Die Stadtchronik Bad Oeynhausens bietet eine Übersicht über wichtige Ereignisse von den Anfängen des Heilbades bis in die Nachkriegszeit.

Sie ist eine gute Anlaufstelle, um historische Daten zu überprüfen und die Entwicklung der Stadt zeitlich einzuordnen.

Stadtchronik Bad Oeynhausen

Wo bekommt man die Bücher?

Buchhandlung Fritz Scherer

Adresse:
Paul-Baehr-Straße 4
32545 Bad Oeynhausen

Telefon: 05731 22194

Website: www.buchscherer.de

Stadtarchiv Bad Oeynhausen

Adresse:
Von-Moeller-Straße 9
32545 Bad Oeynhausen

Telefon: 05731 14-3421

E-Mail: stadtarchiv@badoeynhausen.de

Veröffentlichungen des Stadtarchivs

Das Stadtarchiv führt Informationen zu historischen Veröffentlichungen und kann bei Fragen zur Stadtgeschichte weiterhelfen.

Für alle, die tiefer in die Geschichte Bad Oeynhausens eintauchen möchten, sind folgende Quellen besonders interessant:

Stadtchronik Bad Oeynhausen
Zur offiziellen Stadtchronik

Staatsbad Bad Oeynhausen – Stadtgeschichte
Geschichte erleben

Arbeitskreis für Heimatpflege – Bad Oeynhausen zwischen Krieg und Frieden
Zum Buch und zu weiteren Informationen

Neue Westfälische – Rückblick auf die abgesperrte Innenstadt
Als Bad Oeynhausen vom Stacheldraht umzäunt war

Neue Westfälische – Zeitzeugenberichte
Zeitzeugen auf einen Blick

Stadtarchiv – Archivbestände
Informationen zu Archivbeständen

Ein letzter Gedanke von meinem Poffel

„Bad Oeynhausen hat schon viel erlebt.

Aus einer Solequelle wurde ein Heilbad. Aus einem Ort der Erholung wurde während der Nachkriegszeit ein militärisches Hauptquartier. Menschen verloren ihre Wohnungen, mussten sich neu orientieren und versuchten, trotz aller Schwierigkeiten weiterzumachen.

Heute können Sie durch den Kurpark spazieren, die historischen Gebäude betrachten und sich an einem schönen Ort erholen.

Aber wenn Sie die Geschichte kennen, sehen Sie noch etwas anderes: die Erfahrungen der Menschen, die vor Ihnen hier gelebt haben.

Vielleicht ist genau das die schönste Art, eine Stadt kennenzulernen.

Nicht nur zu sehen, wie sie heute aussieht, sondern auch zu verstehen, was sie geprägt hat.“

Mein Poffel wünscht Ihnen viel Freude beim Entdecken von Bad Oeynhausen!

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