Scooter, Rücksicht und gesunder Menschenverstand
Mein Hund hat eine Leine. Du hast ein Hirn! Benutz es!
Zugegeben, das ist provokant. Aber manchmal braucht es einen deutlichen Satz, um auf etwas aufmerksam zu machen, das eigentlich selbstverständlich sein sollte: Wir alle haben das Recht, uns sicher im öffentlichen Raum zu bewegen.
Ich erlebe immer wieder, dass E-Scooter auf Gehwegen unterwegs sind, wo Fußgänger ihren Platz brauchen. Manche Fahrer sausen ungebremst dicht an Menschen vorbei, schlängeln sich in vollem Tempo durch Gruppen und rechnen offenbar damit, dass andere schon rechtzeitig zur Seite springen.
Doch was ist, wenn jemand nicht schnell genug reagieren kann?
Ein älterer Mensch mit Rollator kann nicht einfach zur Seite springen. Ein Mensch im Rollstuhl braucht Platz. Eltern können ihren Kinderwagen nicht innerhalb einer Sekunde aus der Gefahrenzone bewegen. Und Menschen mit Sehbehinderungen können einen herannahenden Scooter möglicherweise erst bemerken, wenn es schon zu spät ist.
Die Unfallzahlen sollten uns zu denken geben
Die amtliche Unfallstatistik zeigt, dass wir dieses Thema ernst nehmen müssen.
Die Zahlen bedeuten nicht, dass jeder Scooter-Fahrer rücksichtslos unterwegs ist. Viele verhalten sich verantwortungsbewusst und halten sich an die Regeln. Doch die Entwicklung zeigt, dass wir die Risiken nicht einfach ignorieren dürfen, denn hinter jeder Statistik stehen Menschen mit Familien, Freunden und Zukunftsplänen. Ein Unfall kann innerhalb weniger Sekunden alles verändern.
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Unfallstatistik 2023 bis 2025.
Und damit nicht genug: Drei Personen auf einem Scooter?
Es geht mir nicht nur um die Geschwindigkeit.
Ich habe E-Scooter gesehen, auf denen drei Personen gleichzeitig unterwegs waren. Da frage ich mich ernsthaft: Setzt bei manchen Menschen der gesunde Menschenverstand aus, sobald sie auf einem Scooter stehen? Dabei ist die Mitnahme weiterer Personen auf einem Scooter ausdrücklich verboten.
Mit zusätzlichem Gewicht können Bremsen und Lenken schwieriger werden. Dadurch steigt das Risiko, die Kontrolle über den Scooter zu verlieren. Kommt es zu einem Sturz, können gleich mehrere Menschen verletzt werden. Doch wer haftet dann?
Was passiert, wenn plötzlich ein Kind auf den Weg läuft? Wenn ein Auto bremst oder ein Fußgänger unerwartet die Richtung wechselt?
Ich bin keine Spaßbremse – ich verteile nur kostenlose Gehirn-Updates, denn ich möchte, dass der Verstand schneller ist als jeder Scooter! 🛴💡.
Wer schützt eigentlich die Fußgänger?
Besonders schwierig wird es, wenn man Menschen auf ihr Verhalten anspricht. Statt Verständnis oder Einsicht erlebt man mitunter respektlose Pöbeleien. Eine freundliche Bitte um Rücksicht wird dann behandelt, als wäre sie eine persönliche Beleidigung.
Seit wann ist es zu viel verlangt, andere nicht zu gefährden? Warum wird ein Hinweis auf eine mögliche Gefahr manchmal mit Beschimpfungen beantwortet?
Niemand ist fehlerfrei. Jeder kann einmal unaufmerksam sein oder eine Situation falsch einschätzen. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen. Wer auf einen Fehler hingewiesen wird, kann kurz innehalten, nachdenken und sein Verhalten ändern.
Rücksicht ist keine Schwäche
Es geht mir ausdrücklich nicht darum, E-Scooter grundsätzlich zu verteufeln oder Menschen ihre Mobilität zu nehmen. Moderne Verkehrsmittel haben ihre Berechtigung. Entscheidend ist, wie wir sie nutzen.
Die Regeln sind keine Schikane. Den vorgeschriebenen Verkehrsweg zu benutzen, ausreichend Abstand zu halten, die Geschwindigkeit anzupassen und auf schwächere Verkehrsteilnehmer zu achten, sind keine übertriebenen Forderungen. Das ist verantwortungsvolles Verhalten.
Ich wünsche mir für Bad Oeynhausen und überall sonst, dass ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und Familien mit kleinen Kindern sich sicher bewegen können. Niemand sollte Angst haben müssen, einen Gehweg zu benutzen oder jemanden auf gefährliches Verhalten aufmerksam zu machen.
Mein Hund hat eine Leine. Du hast ein Hirn! Benutz es!
Der Spruch auf meinem Schild ist bewusst frech. Er soll provozieren, aber nicht pauschal verurteilen. Er soll Menschen dazu bringen, ihr eigenes Verhalten im Straßenverkehr zu hinterfragen. Auch ich war schon Opfer. Es kam keine Entschuldigung, und ich habe bis heute mit den Folgen zu kämpfen. Der Täter bleibt unerkannt.
Wir erwarten von Hundehaltern, dass sie Verantwortung übernehmen, Gefahren vermeiden und Rücksicht auf andere Menschen nehmen. Warum sollte für Menschen auf E-Scootern etwas anderes gelten?
Vielleicht hilft eine einfache Frage beim nächsten Mal:
Würde ich genauso fahren, wenn der Mensch, an dem ich gerade knapp vorbeisausen möchte, meine Mutter wäre? Mein Vater? Mein Kind? Oder ein Mensch, den ich liebe?
Es kostet nur wenige Sekunden, langsamer zu fahren, Abstand zu halten oder jemandem den Vortritt zu lassen. Die Folgen eines Unfalls dagegen können ein ganzes Leben verändern.
Ein bisschen weniger Ego. Ein bisschen mehr Rücksicht. Und vor allem: gesunder Menschenverstand.
Ein Appell für mehr Respekt, Verantwortung und Sicherheit im Alltag.
