Eine Türklinke kehrt nach 77 Jahren zurück – und erzählt ihre Geschichte - Zeitgeschichte

Manchmal bewahren unscheinbare Gegenstände eine ganz besondere Geschichte. Das zeigt eine alte Türklinke, die 2024 nach mehr als sieben Jahrzehnten nach Bad Oeynhausen zurückkehrte.

Beim Aufräumen des Dachbodens ihres verstorbenen Vaters Bert Barret entdeckten dessen Kinder Stuart Barret und Dorothy Bilton in England eine alte Türklinke. Zunächst wussten sie nicht, welche Bedeutung das Stück Metall hatte. Erst anhand der Tagebuchaufzeichnungen ihres Vaters fanden sie heraus, dass es aus der ursprünglichen Auferstehungskirche am Kurpark in Bad Oeynhausen stammte.

Bert Barret war nach dem Zweiten Weltkrieg als britischer Soldat für zwei Jahre im Hauptquartier der Britischen Rheinarmee in Bad Oeynhausen tätig. Als gläubiger Christ besuchte er regelmäßig Gottesdienste in der Auferstehungskirche, die damals als Garnisonskirche genutzt wurde.

Am 24. Februar 1947 brach in den frühen Morgenstunden ein Feuer in der Kirche aus. Vermutlich war ein technischer Defekt an den überhitzten Heizkörpern die Ursache. Weil die Innenstadt abgeriegelt war, konnte die Feuerwehr nicht rechtzeitig zum Brand gelangen. Die Kirche brannte vollständig aus; nur die Außenmauern blieben stehen. Bert Barret erlebte die Zerstörung mit und stand am folgenden Tag betroffen in den Trümmern.

Als er später nach England zurückkehrte, nahm er die Türklinke als Erinnerung an seine Zeit in Bad Oeynhausen mit nach Hause. Dort blieb sie über Jahrzehnte erhalten – bis seine Kinder sie auf dem Dachboden wiederfanden.

Im März 2024 reisten Stuart Barret und seine Schwester Dorothy nach Bad Oeynhausen, um den historischen Gegenstand zurückzugeben. In einem Gottesdienst überreichten sie die Türklinke feierlich an Pfarrer Rainer Labie. Die Kirchengemeinde freute sich über das ungewöhnliche Erinnerungsstück, das inzwischen in der wiederaufgebauten Kirche einen festen Platz in einer Glasvitrine erhalten hat.

Die Geschichte hat noch eine ganz persönliche Note: Bert Barret hatte sich während seiner Zeit in Bad Oeynhausen in ein schottisches Mädchen verliebt. Ihren ersten Kuss tauschten die beiden am Charlottenplatz nahe der Steinstraße aus. Später wurde sie seine Frau.

Ein Stück Metall, ein zerstörtes Gotteshaus und eine Liebesgeschichte – die zurückgekehrte Türklinke verbindet die Geschichte der Auferstehungskirche mit den persönlichen Erinnerungen eines britischen Soldaten. Sie erinnert daran, dass die Geschichte der Besatzungszeit nicht nur aus militärischen Entscheidungen und abgesperrten Straßen besteht, sondern auch aus Begegnungen, persönlichen Schicksalen und Verbindungen, die über Ländergrenzen hinweg bestehen bleiben.

Ein Ort, an dem Geschichte spürbar wird

Die zurückgekehrte Türklinke als Erinnerungsstück an eine vergangene Zeit können Sie in der Auferstehungskirche am Kurpark entdecken. In einer Glasvitrine ausgestellt, macht sie Zeitgeschichte sichtbar. Was zunächst wie ein unscheinbarer Gegenstand wirkt, erzählt eine bewegende Geschichte aus der britischen Besatzungszeit.

Mich lässt diese Geschichte nicht los. Jedes Mal, wenn ich daran denke, bekomme ich Gänsehautgefühle. Denn plötzlich ist Geschichte nicht mehr nur eine Jahreszahl in einem Buch. Sie liegt als Gegenstand vor uns – ein stiller Zeuge von Zerstörung, Erinnerung und einem Leben, das sich mit unserer Stadt verbunden hat.

Vielleicht geht es Ihnen beim Betrachten der Türklinke ähnlich. Vielleicht stellen auch Sie sich vor, wie Bert Barret sie einst aus den Trümmern mitnahm, ohne zu ahnen, dass sie eines Tages nach Bad Oeynhausen zurückkehren würde.

Wenn Sie die Auferstehungskirche besuchen, nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit für dieses besondere Erinnerungsstück. Manchmal braucht es kein großes Denkmal, um uns die Vergangenheit ganz nahe zu bringen. Manchmal genügt eine alte Türklinke.

Quelle zur Geschichte der Türklinke: Neue Westfälische, 24. März 2024: Verschollene Klinke der Bad Oeynhausener Kirche kehrt nach mehr als 70 Jahren zurück.

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