KRIEG IST WAHNSINN. ABER WER ENTSCHEIDET, WAS RICHTIG ODER FALSCH IST?

Ich schreibe diese Zeilen als Mutter, den Kriege und ihre Folgen nicht kalt lassen, und als Coach, der sich mit Menschen, Kommunikation und Konflikten auseinandersetzt.

Alexander Gertz ist Politikwissenschaftler und Sanitäter bei den ukrainischen Streitkräften. Eigentlich wollte er Diplomat und Musiker werden. Doch der Krieg veränderte seinen Weg: Heute rettet er Menschenleben und bildet Sanitäter aus. Er gibt dem Krieg ein Gesicht und eine Stimme. Für mich steht Alexander Gertz stellvertretend für die vielen Menschen, die diesen Krieg unmittelbar erleben, während sich Diplomaten die Köpfe heiß reden und über Strategien, Waffen und mögliche Lösungen diskutieren.

Seine Familiengeschichte macht mich besonders nachdenklich. Er hat einen deutschen Pass, seine Mutter ist Ukrainerin, sein Vater Deutscher mit russischen Wurzeln. Deutschland, die Ukraine und Russland – drei Länder, die durch seine Familie miteinander verbunden sind und die dieser Krieg auf unterschiedliche Weise betrifft. Was macht das mit Familien, wenn die einen um Menschen in der Ukraine bangen, während andere familiäre Verbindungen nach Russland haben? Wenn ein Krieg nicht nur Länder trennt, sondern möglicherweise auch Menschen, die sich lieben und zur selben Familie gehören?

Mich beschäftigt vor allem eine Frage: Was ist der richtige Weg? Finanzielle Unterstützung? Geld, um immer weiter aufzurüsten? Oder Dialog?

Wer schlägt hier wem die Tür vor den Kopf, anstatt einander die Hand zu reichen? Wer ist noch bereit, zuzuhören, aufeinander zuzugehen und nach einem gemeinsamen Weg zu suchen?

Ich weiß nicht, was in diesem Krieg der richtige Weg ist. Und ich maße mir nicht an, eine einfache Antwort auf eine so schwierige Situation zu haben.

Ein angegriffenes Land muss sich verteidigen können. Menschen brauchen Schutz und Unterstützung. Aber bedeutet das, dass immer mehr Waffen die einzige Antwort sind?

Politiker entscheiden, verhandeln und sprechen von Strategien und militärischen Zielen. Doch während endlos diskutiert wird, sterben täglich Menschen: Zivilisten, die diesen Krieg nicht gewollt haben, Soldaten, die ihr Leben verlieren, Kinder, die ihre Heimat verlieren, und Familien, die um ihre Angehörigen trauern.

Die Überlebenden tragen oft schwere körperliche und seelische Verletzungen davon. Manche Wunden heilen nie.Die Folgen eines Krieges reichen weit über das Ende der Kämpfe hinaus.

Jeder Tote ist einer zu viel. Jeder Verletzte auch. Jedes zerstörte Leben hinterlässt Spuren.

Ich schreibe diese Zeilen auch als Mutter von vier erwachsenen Kindern, darunter einem Sohn, die ich von ganzem Herzen liebe. Vielleicht berührt mich der Gedanke deshalb besonders, dass Mütter ihre Söhne und Töchter in einen Krieg ziehen lassen müssen – mit der Angst, sie vielleicht nie wieder in die Arme schließen zu können.

Reinhard Mey & Freunde - Meine Söhne geb ich nicht

Als Coach weiß ich, wie wichtig es ist, zuzuhören, unterschiedliche Sichtweisen zu sehen und die Ursachen eines Konflikts zu erkennen. Nicht jeder Konflikt lässt sich lösen. Nicht jeder ist zu einem Kompromiss bereit. Manchmal müssen klare Grenzen gezogen werden.

Eine Frage bleibt: Haben wir wirklich alles versucht, bevor wir jede Möglichkeit des Gesprächs aufgeben?

Dialog allein beendet nicht automatisch einen Krieg. Das behaupte ich nicht. Ich möchte auch niemandem vorschreiben, welche politischen Entscheidungen getroffen werden müssen. Ich bin Zivilist kein Politiker.

Politiker verhandeln über immer mehr Waffen, um Menschenleben zu retten – und liefern damit zugleich die Mittel, andere zu töten und zu verstümmeln. Wie absurd ist das?!

Alexander Gertz führt uns vor Augen, worum es letztlich geht: um Menschenleben. Er retten Menschen, während andere darüber diskutieren, was getan werden muss. Dafür ziehe ich meinen Hut vor ihm.

Ich bin ein Mensch unter vielen, die dieser Krieg und seine Folgen zutiefst beschäftigen.

Denn hinter jeder Zahl steht ein Mensch. Und hinter jedem Menschen stehen Menschen, die ihn lieben, um ihn bangen und auf seine Rückkehr hoffen.

JEDER TOTE IST EINER ZU VIEL.

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