Die alte Weisheit „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ ist weltweit durch die drei Affen bekannt geworden. Doch woher stammt sie eigentlich, was bedeutete sie ursprünglich und seit wann gibt es sie?
Die Wurzeln des Sprichworts liegen vermutlich in Asien. Besonders bekannt wurde die Darstellung der drei Affen in Japan. Dort findet sich eine berühmte Holzschnitzerei an der Tōshō-gū-Schrein-Anlage in Nikkō, die im 17. Jahrhundert entstand.
Die drei Affen heißen auf Japanisch:
Mizaru – nichts sehen.
Kikazaru – nichts hören.
Iwazaru – nichts sagen.
Die Wortspiele beruhen auf japanischen Verben, die mit der Endung „-zaru“ in Verbindung stehen, welche auch an das Wort für Affe, „saru“, erinnert.
Seit wann gibt es die drei Affen?
Die Idee ist älter als die berühmte japanische Darstellung. Vergleichbare Gedanken finden sich bereits in älteren asiatischen Traditionen. Die genaue Herkunft und der Zeitpunkt, an dem die drei Affen erstmals gemeinsam auftraten, sind allerdings nicht abschließend geklärt.
Die bekannte Schnitzerei in Nikkō stammt aus dem 17. Jahrhundert, genauer aus der Zeit des frühen Tokugawa-Shogunats.
Was bedeutete die Weisheit ursprünglich?
Ursprünglich ging es nicht darum, Ungerechtigkeit zu ignorieren oder aus Feigheit zu schweigen. Vielmehr sollte man sich vor Schlechtem hüten: nichts Böses ansehen, nichts Böses anhören und nichts Böses aussprechen.
Ein ähnlicher Gedanke findet sich bereits in den „Gesprächen des Konfuzius“, einer Sammlung chinesischer Lehren, die auf den Philosophen Konfuzius (551–479 v. Chr.) zurückgehen. Dort geht es darum, nichts Unrechtes anzusehen, anzuhören, auszusprechen oder zu tun. Wie genau sich dieser Gedanke mit den drei Affen verband, ist historisch nicht abschließend geklärt.
Wie wandelte sich die Bedeutung?
Hier beginnt die spannende Frage für unsere heutige Gesellschaft:
Was einst als Weisheit gedacht war, kann heute zur Ausrede werden:
NICHT SEHEN – Die Hände vor den Augen.
Man sieht Ungerechtigkeit, Armut, Ausgrenzung und das Leid anderer – und schaut trotzdem weg. Nicht, weil man es nicht erkennen könnte, sondern weil Wegsehen manchmal bequemer ist als Hinsehen und Handeln.
NICHT HÖREN – Die Hände vor den Ohren.
Man hört die Worte anderer, aber hört ihnen nicht wirklich zu. Sorgen, Hilferufe und andere Meinungen verhallen, während Smartphones, Vorurteile und die eigene Gedankenwelt wichtiger erscheinen als ein Mensch, der gerade Gehör braucht.
NICHT SAGEN – Die Hand vor dem Mund.
Man erkennt das Unrecht, hört die Betroffenen – und schweigt trotzdem. Aus Angst vor Konflikten, aus Bequemlichkeit oder weil man glaubt, ohnehin nichts ändern zu können. Doch Schweigen kann dazu führen, dass Unrecht einfach weitergeht.
DIE FRAGE IST:
Sind wir wirklich blind, taub und stumm geworden? Oder haben wir nur verlernt, hinzusehen, zuzuhören und den Mund aufzumachen, wenn es darauf ankommt?
Die alte Weisheit mahnt und zeigt uns, wie schnell wir selbst zum Teil des Problems werden, wenn wir wegsehen, weghören und schweigen.
