BDSM aus Überzeugung
Ich bin zertifizierter BDSM-Coach.
Aus Überzeugung.
Nicht, weil BDSM gerade modern ist.
Nicht, weil es sich gut vermarkten lässt.
Und schon gar nicht, weil ich irgendjemandem beweisen muss, dass BDSM „normal“ ist.
Ich bin durch einen Zufall in diese Szene geraten.
Und heute bin ich diesem Zufall verdammt dankbar.
Denn hinter dem, was viele von außen sehen, habe ich etwas ganz anderes kennengelernt:
Vertrauen.
Kommunikation.
Grenzen.
Verantwortung.
Respekt.
Natürlich kann ich verstehen, dass Menschen Dinge komisch finden, die sie nicht kennen.
Unwissenheit kann man erklären.
Vorurteile kann man hinterfragen.
Diskriminierung aber muss man nicht hinnehmen.
Sie müssen BDSM nicht mögen.
Aber bevor Sie darüber urteilen, könnten Sie es vielleicht erst einmal kennenlernen.
Denn BDSM ist für mich keine Spielwiese ohne Regeln.
BDSM bedeutet Verantwortung für mein Gegenüber.
Genau deshalb bilde ich mich weiter.
Genau deshalb gebe ich mein Wissen weiter.
Denn gerade Menschen, die neu in diese Welt kommen, wissen oft noch nicht, worauf sie achten müssen.
Und genau da kann es gefährlich werden.
Es gibt Menschen, die dieses Unwissen ausnutzen.
Genau dafür bin ich da: für alle, die neugierig sind, Fragen haben, sicher ankommen wollen, aber an übergriffigen Erfahrungen nicht interessiert sind.
Wer neugierig ist, soll neugierig sein dürfen.
Aber bitte nicht ahnungslos.
Und dann ist da noch etwas, das ich dabei wiedergefunden habe:
meinen Humor.
Der steckt heute in meinen Texten, meinen Sprüchen und meinen Shirtmotiven.
Denn ich möchte BDSM nicht nur erklären.
Ich möchte, dass man darüber reden kann.
Dass man darüber lachen kann.
Dass man irgendwann nicht mehr automatisch rot wird, wenn das Wort fällt.
Ich möchte BDSM zu dem machen, was es für viele längst ist: gesellschaftsfähig.
Dafür stelle ich mich hin.
Dafür mache ich mich angreifbar.
Und ja – vielleicht werde ich dafür gebrandmarkt.
Trotzdem stehe ich hier.
Ich kann nicht anders.
Denn wenn ich eines gelernt habe, dann das:
BDSM braucht keine Heimlichkeit.
BDSM braucht Wissen, Verantwortung, Respekt – und manchmal einen verdammt guten Spruch.

Kink/BDSM ohne Scham
Mehr Verständnis. Weniger Vorurteile. Mehr Selbstbestimmung.
Unser Leben ist geprägt von Anforderungen, Stress und Verantwortung. Umso wichtiger ist es, einen Raum zu finden, in dem wir auftanken, loslassen und wieder bei uns selbst ankommen können.
Dieser Ausgleich ist für jeden Menschen anders.
Manche finden ihn im Sport, in Musik oder kreativen Hobbys, andere in Meditation und Entspannung. Wieder andere entdecken in einvernehmlichen Kinks eine Möglichkeit, Vertrauen zu erleben, loszulassen und sich selbst besser kennenzulernen.
Ich habe meinen persönlichen Kink im BDSM gefunden.
Schritt für Schritt bin ich in die Szene hineingewachsen, habe mich intensiv mit ihren unterschiedlichen Facetten beschäftigt und dabei viel über mich selbst, meine Bedürfnisse und meine Grenzen gelernt.
Heute arbeite ich als Paartherapeutin mit dem Schwerpunkt auf Kink und BDSM-Coaching.
Dabei geht es für mich nicht darum, Menschen in eine bestimmte Richtung zu bringen.
Im Gegenteil.
Es geht darum, Menschen auf ihrem ganz persönlichen Weg zu begleiten – offen, wertschätzend und ohne zu urteilen.
Dabei ist mir ein Thema besonders wichtig:
Diskriminierung und Ausgrenzung.
Queere Menschen sind nicht automatisch BDSM-interessiert. Und BDSM ist nicht an eine bestimmte sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität gebunden.
Queer sein und BDSM leben sind zwei unterschiedliche Dinge – und dennoch begegnen Menschen aus beiden Bereichen immer wieder ähnlichen gesellschaftlichen Herausforderungen: Vorurteilen, Unwissenheit, Ablehnung, Unsicherheit und manchmal auch offener Diskriminierung.
Niemand sollte sich dafür rechtfertigen müssen, wen er liebt, wie er lebt, welche Identität er hat oder welche einvernehmlichen Bedürfnisse und Vorlieben er auslebt.
Oft entsteht Ausgrenzung dort, wo Menschen etwas nicht kennen.
Aus Unwissenheit wird Unsicherheit.
Aus Unsicherheit kann Angst entstehen.
Und aus Angst können Vorurteile und Ablehnung werden – manchmal leider auch offener Hass.
Genau hier möchte ich ansetzen.
Ich möchte Wissen vermitteln, Fragen ermöglichen und Berührungsängste abbauen.
Ich möchte zeigen, dass hinter Lebensweisen und Identitäten keine Bedrohung steckt, sondern Menschen mit ihren ganz persönlichen Geschichten, Bedürfnissen, Grenzen und Wünschen.
Mein Ziel ist es, Brücken statt Mauern zu bauen.
Auch wenn sich gesellschaftlich bereits vieles verändert hat, erleben queere Menschen, BDSM- und Fetischinteressierte sowie Menschen mit anderen nicht traditionellen Lebensentwürfen weiterhin Ausgrenzung und Stigmatisierung.
Umso wichtiger finde ich es, offen darüber zu sprechen und einen Raum zu schaffen, in dem Fragen erlaubt sind, ohne dass jemand dafür verurteilt wird.
BDSM selbst ist vielfältig.
Menschen mit unterschiedlichen Orientierungen, Identitäten, Beziehungsformen und Lebensentwürfen begegnen sich.
Was diese Begegnungen verbindet, sind für mich vor allem:
Respekt, Vertrauen, Verantwortung und gegenseitiges Einverständnis.
SSC – Safe, Sane & Consensual: sicher, verantwortungsvoll und einvernehmlich.
Die Forschung beschäftigt sich inzwischen ebenfalls zunehmend mit BDSM als möglicher Lebens- und Beziehungspraxis. Themen wie Selbstverständnis, Kommunikation, Vertrauen und Beziehungszufriedenheit spielen dabei eine wichtige Rolle.
Tipp: Dissertation von 2023 Uni Merseburg.
Ich möchte nicht missionieren.
Ich möchte verstehen helfen.
Denn jeder Mensch hat das Recht, seinen eigenen Weg zu finden – solange dabei die Grenzen und Rechte anderer respektiert werden.
Für mich bedeutet Vielfalt nicht, dass wir alle gleich sein müssen.
Vielfalt bedeutet, dass wir unterschiedlich sein dürfen.
Dass wir lieben dürfen, wen wir lieben.
Dass wir leben dürfen, wie es zu uns passt.
Dass wir unsere Grenzen und Bedürfnisse entdecken dürfen.
Und dass niemand dafür ausgegrenzt, abgewertet oder diskriminiert werden sollte.
Dafür möchte ich stehen:
für Offenheit, Respekt, Selbstbestimmung und ein Miteinander, in dem Verschiedenheit keine Angst macht, sondern selbstverständlich sein darf.
Was Märchen mit BDSM zu tun haben – und warum die Antwort nicht so einfach ist

Wer zum ersten Mal an BDSM denkt, hat oft Bilder von düsteren Szenarien, Leder, Fesseln oder Peitschen im Kopf. Doch Macht, Dominanz und Unterwerfung begegnen uns oft schon viel früher – in Märchen, Filmen und Geschichten.
Strenge Königinnen, böse Stiefmütter, mächtige Hexen oder Herrscher, die über das Schicksal anderer bestimmen, gehören seit Jahrhunderten zu den bekanntesten Figuren der Erzählkultur. Sie lösen Angst aus, manchmal Bewunderung und bei manchen Menschen auch eine schwer erklärbare Faszination.
Aber bedeutet das, dass Märchen BDSM zeigen?
Die kurze Antwort lautet: Nein.
Macht ist ein uraltes Thema
Ein schönes Beispiel ist der Märchenfilm Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Die Stiefmutter herrscht über den Haushalt, gibt Befehle und wird mit einem peitschenähnlichen Requisit gezeigt. Es unterstreicht ihre Autorität und soll deutlich machen: Diese Frau kontrolliert ihre Umgebung.
Aus heutiger Sicht kann dieses Bild bei manchen Zuschauern Assoziationen an BDSM wecken. Das ist nachvollziehbar – schließlich gehören Machtgefälle und bestimmte Symbole auch dort zu den Themen.
Trotzdem wäre es falsch zu sagen, der Film enthalte BDSM. Die dargestellte Macht basiert auf Angst, Zwang und Unterdrückung. Genau darin liegt der entscheidende Unterschied.
Der größte Unterschied heißt Einvernehmen
Im Märchen entscheidet die mächtige Figur allein.
Im BDSM entscheiden alle Beteiligten gemeinsam.
Das klingt einfach, ist aber der wichtigste Unterschied überhaupt.
Verantwortungsvoll gelebtes BDSM beruht auf:
- gegenseitigem Einverständnis
- Vertrauen
- Kommunikation
- klaren Grenzen
- Respekt
- der Möglichkeit, jederzeit Nein zu sagen oder eine Situation zu beenden
Dominanz bedeutet deshalb nicht, jemanden zu beherrschen. Sie bedeutet, Verantwortung für eine gemeinsam vereinbarte Dynamik zu übernehmen.
Warum sprechen uns solche Figuren überhaupt an?
Diese Frage höre ich als Coach immer wieder.
Viele Menschen erschrecken zunächst, wenn sie merken, dass sie dominante Figuren aus Filmen oder Geschichten spannend finden. Sie fragen sich, ob mit ihnen etwas nicht stimmt.
Meine Antwort lautet fast immer: Daran ist zunächst nichts Ungewöhnliches.
Unser Gehirn reagiert auf Geschichten und Symbole. Dominante Figuren stehen oft für Eigenschaften wie Stärke, Selbstsicherheit, Entschlossenheit oder Kontrolle. Andere Figuren verkörpern Vertrauen, Mut oder Hingabe.
Nicht die Handlung selbst ist faszinierend, sondern oft das Gefühl, das sie vermittelt.
Deshalb lohnt es sich, sich zu fragen:
- Was genau spricht mich an?
- Ist es die Ausstrahlung der Figur?
- Die Klarheit ihrer Rolle?
- Das Gefühl von Sicherheit?
- Die Ästhetik?
- Oder die Vorstellung, Verantwortung abzugeben oder zu übernehmen?
Je ehrlicher wir diese Fragen beantworten, desto besser verstehen wir unsere eigenen Fantasien.
Fantasie ist nicht Realität
Ein weiterer wichtiger Punkt wird oft übersehen.
Menschen können Fantasien haben, die sie niemals in der Realität erleben möchten.
Jemand kann eine dominante Filmfigur faszinierend finden, ohne sich jemals echte Unterdrückung zu wünschen.
Verantwortungsvoll praktiziertes BDSM basiert auf Einvernehmen. Deshalb haben Gewalt, Missbrauch und Zwang darin keinen Platz.
Deshalb sollte man Fantasie und Realität niemals gleichsetzen.
Was wir aus Märchen lernen können
Vielleicht liegt die eigentliche Verbindung zwischen Märchen und BDSM gar nicht in einer Peitsche oder einem Machtgefälle.
Sondern darin, dass beide Geschichten über Beziehungen erzählen.
Märchen zeigen häufig, was passiert, wenn Macht missbraucht wird.
BDSM zeigt, wie Macht bewusst, verantwortungsvoll und einvernehmlich gestaltet werden kann.
Für mich ist das die spannendste Erkenntnis:
Nicht die Werkzeuge oder die Rollen machen BDSM aus.
Sondern Vertrauen.
Und genau deshalb lohnt es sich manchmal, alte Märchen mit neuen Augen zu betrachten.
Empfehlenswerter Link https://hauptsacheherzbewegt.de/narzissmus-im-maerchen/
BDSM und Christsein – ein Widerspruch?
Als Coach mit langjähriger Erfahrung im Bereich BDSM ist es mir ein Anliegen, Brücken zu bauen und Vorurteile abzubauen. Ich möchte Menschen helfen, dieses Thema mit einem offenen und sachlichen Blick zu betrachten.
Noch immer begegnen mir viele Menschen, die BDSM mit Gewalt, fehlender Moral oder Grenzüberschreitungen verbinden. Diese Vorstellungen entstehen oft durch Unwissen und durch Bilder, die in unserer Gesellschaft entstanden sind.
Doch BDSM ist nicht gleich Gewalt.
Die entscheidenden Unterschiede liegen in den Grundlagen, auf denen BDSM aufgebaut ist:
- Freiwilligkeit: Jeder Mensch entscheidet sich aus eigenem Willen dafür.
- Einvernehmlichkeit: Wünsche, Bedürfnisse und persönliche Grenzen werden offen miteinander besprochen, ernst genommen, respektiert und eingehalten.
- Respekt: Der andere Mensch wird mit seiner Würde und seinen Grenzen angenommen.
- Verantwortung: Jeder übernimmt fürsorglich Verantwortung für sich und den anderen.
- Recht und Ordnung: Die Grenzen unserer Gesellschaft werden eingehalten.
BDSM basiert auf Vertrauen, Kommunikation und Achtsamkeit. Es geht nicht darum, einen anderen Menschen zu beherrschen oder zu verletzen. Es geht darum, gemeinsam einen Raum zu schaffen, in dem Menschen sich sicher fühlen, sich selbst entdecken und ihre Grenzen kennenlernen können..
BDSM und Christsein – ein Widerspruch?
Viele Menschen fragen sich:
„Passt BDSM überhaupt zu einem christlichen Leben?“
Meine persönliche Antwort darauf lautet:
Für mich schließen sich Christsein und BDSM nicht aus.
Die Bibel gibt keine direkte Antwort auf BDSM. Deshalb gibt es auch innerhalb des Christentums unterschiedliche Sichtweisen. Ich finde das auch gut und richtig, denn es gehört auch dazu, Fragen zu stellen, nachzudenken, zu reflektieren und seinen eigenen Weg verantwortungsvoll zu gehen.
Der Ökumenische Arbeitskreis BDSM-und-Christsein beschäftigt sich mit dem Austausch über BDSM, Sexualität und christlichen Glauben. Auch dort geht es darum, einen offenen Dialog zu ermöglichen und Vorurteile abzubauen.
Für mich sind die entscheidenden Werte nicht eine bestimmte Lebensweise oder Sexualität, sondern:
Liebe, Respekt, Ehrlichkeit, Verantwortung und der wertschätzende Umgang miteinander.
Christsein bedeutet für mich nicht, einen Menschen auf seine Sexualität zu reduzieren. Jeder Mensch ist ein ganzer Mensch – mit seinen Stärken, Schwächen, Erfahrungen und seinem eigenen Lebensweg.
Wir haben das wertvolle Glück, unseren eigenen Weg gehen zu dürfen, unsere eigenen Grenzen zu entdecken und unsere persönliche Wahrheit zu finden.
Aber Freiheit bedeutet auch Verantwortung. Die Freiheit des einen endet dort, wo die Würde und die Rechte eines anderen Menschen verletzt werden.
Diese Haltung finde ich auch in der Botschaft Jesu wieder. Im Römerbrief heißt es:
„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat, zur Ehre Gottes.“
(Römer 15,7)
Für mich bedeutet dieser Satz: Menschen sollen einander mit ihren Verschiedenheiten, Schwächen und Stärken annehmen und respektieren. Denn jeder Mensch besitzt eine von Gott gegebene Würde.
Es steht mir nicht zu, einen anderen Menschen zu beurteilen oder gar zu verurteilen. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Erfahrungen, seine Stärken und seine Schwächen.
Diese Würde hängt nicht davon ab, ob ein Mensch so lebt oder denkt wie ich.
Wenn wir einander mit Liebe, Verständnis und Respekt begegnen, erkennen wir diese Würde an und geben etwas von Gottes Liebe weiter.
Die Frage sollte deshalb nicht lauten:
„Kann ein Christ BDSM leben?“
Sondern:
„Wird diese Beziehung von Liebe, Respekt, Freiheit und Verantwortung getragen?“
Wenn diese Grundlagen vorhanden sind, sehe ich keinen Widerspruch zwischen BDSM und Christsein.
Mein Wunsch für die Zukunft ist es, Verständnis zu fördern und Vorurteile abzubauen. Ich möchte dazu beitragen, dass wir Menschen einander nicht vorschnell beurteilen, sondern uns mit Respekt, Offenheit und Verständnis begegnen. Dass wir nicht das Trennende suchen, sondern den Wert jedes einzelnen Menschen erkennen, die Vielfalt des Lebens annehmen und lernen, sie wertzuschätzen.
Kitzeln – eine Erfahrung zwischen Lachen, Vertrauen und Grenzen
Kitzeln gehört für mich heute ganz klar zu den Erfahrungen, die im BDSM ihren Platz haben können.
BDSM ist viel vielfältiger, als es oft in der Öffentlichkeit dargestellt wird.
Häufig werden vor allem die härteren, intensiveren oder spektakulären Seiten gezeigt – geprägt durch vereinfachte Darstellungen in Filmen, Fernsehen und Medien. Diese Bilder vermitteln oft nur einen kleinen Ausschnitt und werden der tatsächlichen Vielfalt des BDSM nicht gerecht.
Es gibt auch sehr gute und differenzierte Filme, die sich dem Thema BDSM mit mehr Tiefe nähern. Ein Beispiel dafür ist der Film Secretary, der sich nicht nur mit Praktiken beschäftigt, sondern vor allem zeigt, dass durch Vertrauen, Beziehung und Selbstfindung eine ganz besondere Dynamik zwischen zwei Menschen entstehen kann.
Die intensiveren Formen gehören ebenfalls zum BDSM. Aber BDSM beginnt einfacher, leiser – nicht erst dort.
BDSM ist eine Entwicklung. Ein Marathonläufer läuft schließlich auch nicht am ersten Tag 42 Kilometer. Er beginnt mit kleinen Schritten, trainiert und wächst mit seinen Erfahrungen.
Heute weiß ich: Ich war als Kind schon mit Erfahrungen unterwegs, die man aus heutiger Sicht im BDSM-Kontext betrachten kann.
Begriffe dafür kannte ich damals noch nicht. Und das war auch völlig normal. Nicht jede Erfahrung im Leben braucht sofort eine Bezeichnung. Manchmal erleben wir Dinge, bevor wir die Worte dafür finden.
Doch manchmal kann es hilfreich sein, einen Namen dafür zu kennen. Nicht, um Menschen in Schubladen zu stecken, sondern um bewusster mit sich selbst und seinem Gegenüber umzugehen.
Denn durch Wissen und Verständnis können Grenzen früher erkannt, Wünsche besser ausgesprochen und Missverständnisse vermieden werden.
Genau hier zeigt sich die Bedeutung von bewusster Kommunikation:
Als Kind hat meine Schwester mich für ihr Leben gerne gekitzelt.
Auf der einen Seite habe ich es geliebt. Ich bekam Aufmerksamkeit und spürte dabei etwas, das ich damals noch nicht benennen konnte.
Es war dieses besondere Gefühl zwischen Lachen, Spannung und dem Erleben, für einen Moment die Kontrolle abzugeben. Bis zu dem Augenblick, in dem alles kippte und ich anfing, nach Luft zu ringen. Der Moment, in dem aus einem Spiel eine Grenzerfahrung wurde.
Auf der anderen Seite habe ich es gehasst – immer dann, wenn diese Grenze überschritten wurde.
Es war ein Wechselspiel zwischen Lachen, Spannung, Vertrauen und dem Gefühl, für einen Moment ausgeliefert zu sein. Gleichzeitig gab es aber auch diesen Punkt, an dem es zu viel wurde.
Irgendwann kam von mir immer wieder verzweifelt:
„Bitte hör auf, ich kann nicht mehr.“
Damals wusste ich natürlich noch nicht, was ein Safewort ist. Ich kannte keine Begriffe wie Konsens, Grenzen oder bewusste Kommunikation.
Heute weiß ich, dass es in diesen Momenten ein Übergriff war.
Damals konnte ich es nur spüren:
Es gibt einen Moment, an dem meine Grenze erreicht ist. Und ich möchte, dass der andere Mensch aufhört.
Genau diese Erfahrung hat mir später gezeigt, wie wichtig es ist, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und sie aussprechen zu können – einvernehmlich miteinander umzugehen, damit es ein lustvolles Erlebnis bleibt und nicht ausufert.
Und genau hier liegt die Verbindung zum BDSM: Nicht die Handlung allein entscheidet, sondern die Haltung dahinter.
Es geht um Vertrauen.
Es geht um Kommunikation.
Es geht darum, Grenzen wahrzunehmen und zu respektieren.
Kitzeln kann im BDSM ein bewusst eingesetztes Element sein – ein Spiel mit Spannung, Nähe, Kontrolle und Hingabe. Aber erst durch gegenseitiges Einverständnis, Achtsamkeit und Verantwortung wird daraus eine positive Erfahrung.
BDSM beginnt nicht mit der Frage:
„Wie weit kann ich gehen?“
Sondern mit der Frage:
„Wie achtsam kann ich miteinander umgehen?“
Denn am Ende geht es nicht um Härte oder darum, Grenzen zu überschreiten.
Es geht darum, gemeinsam einen Raum zu schaffen, in dem Vertrauen wachsen kann – und in dem jeder Mensch seinen eigenen Weg finden darf.
Gastbeitrag
Der folgende Text stammt nicht von mir, sondern ist der Originaltext eines befreundeten Paares, das seit vielen Jahren Teil der BDSM-Community ist.
Ihre Erfahrungen und Sichtweisen sind ein wertvoller Beitrag und zeigen, wie vielfältig, respektvoll und unterstützend eine Gemeinschaft sein kann.
Für mich bedeutet Community auch, voneinander zu lernen, Erfahrungen zu teilen und mehrere Stimmen zu hören – nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung:
"Was ist BDSM - Das Web ist voller Erklärungen, was BDSM ist und bedeutet. Sie überbieten sich in Umfang, Tiefe und Bebilderung gegenseitig. Selbst Wikipedia erläutert über so viele Zeilen, dass Neugierigen und Anfängern der Kopf brummt.
Der Begriff BDSM setzt sich aus den jeweils ersten Buchstaben der englischen Bezeichnungen "Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism" zusammen.
Das geht auch deutsch, klingt dann aber nicht mehr so: Fesselspiele, Disziplinierung, Dominanz, Unterwerfung, Zufügen von Schmerzen und Erdulden von Schmerzen. FDDUZE. Ziemlich ungelenk. Und wie bei jeder Übersetzung trifft es einfach nicht das weite Spektrum all der meist (nicht nur sexuellen) Verhaltensweisen, die unter dem Begriff BDSM zusammengefasst sind.
Ist das nicht Vergewaltigung?
Nein. Ist es eben nicht. Das, was der dominante Partner mit seinem mündigen submissiven Gegenüber anstellt, erfolgt grundsätzlich in gegenseitigem Einverständnis und freiwillig: SSC
Natürlich entsteht dadurch, dass der submissive Partner auch schmerzhafte sexuelle Handlungen an sich zulässt, ein Machtgefälle. Bei dem der dominante Partner sehr genau aufpassen muss, wie weit er gehen darf und ab welchem Moment er die Grenze des Einvernehmlichen erreicht. Um das einschätzen zu können, bedarf es vorheriger Kenntnisse, eindeutiger Absprachen und eines ausreichenden Vertrauens des Partners.
Wenn Dir also jemand erzählt, dass er beispielsweise eine Frau gegen ihren ausdrücklichen Willen fesselt und missbraucht, das ist kein BDSM, ich würde dazu Häusliche Gewalt sagen und ja zeige ihn sie Notfalls an.
Shades Of Grey...
Du hast Bücher gelesen, die Bestseller sind und in denen unglaublich erfahrene Herren in unglaublich unerfahrenen Frauen unglaubliche Wünsche wecken? Du hast im Fernsehen Reportagen gesehen von glücklich gemachten Maso-Sklaven bei glücklich machenden Dominas? Vergiss das alles. BDSM wird nicht mal eben initiiert durch den erfahrenen Blick einer anderen Person. Und BDSM spielt sich nicht einfach nur auf der Haut ab, sondern vor allem erst einmal im Kopf.
Wenn Du BDSM ausprobieren möchtest, nur weil Du davon gelesen oder gesehen hast und es wohl gerade "schick" ist, kannst Du das gern tun. Suche dir einen erfahren Partner und erst wenn du Ihn WIRKLICH vertrauen kannst, lass dich auf das Spiel ein. Beschränke Dich aber dann unbedingt zunächst auf einfache Dinge.
Wie werde ich BDSMler?
Du solltest Dir bewusst machen, dass man nicht eben mal zum BDSMler werden kann. Zwar behaupten das viele von sich (und für Uneingeweihte erscheinen ihre Erzählungen ebenso schillernd wie für tatsächlich beteiligte Personen haarsträubend). Du kannst nicht einfach ein Seil oder eine Gerte in die Hand nehmen, losziehen und die Welt dominieren. Ebenso wird es Dir keine Freude machen, Dich versuchsweise auf den Boden zu werfen und hohe Stiefel zu lecken.
BDSM ist eine Leidenschaft oder sogar Lebensart. Ja, es gilt wie bei jeder anderen Leidenschaft: Entweder teilt man sie - oder eben nicht. Du solltest von innen heraus fühlen, ob Dich BDSM fasziniert. Auf welche Seite Du Dich gezogen fühlst.
Hast Du es als Kind genossen, wenn Du beim Indianerspiel von anderen gefesselt wurdest? Hat es Dir Spaß gemacht, bei Räuber und Gendarm jemandem Handfesseln anzulegen? Sprechen Dich Bilder von gefesselten Menschen an? Wühlt es Dich auf, wenn Du daran denkst, ein Halsband zu tragen? Oder fasziniert es Dich, jemandem ein Halsband anzulegen? Findest Du ein streng geschnürtes Korsett erotisch? Wie empfindest Du Bilder von durch Schläge geröteter Haut? Spürst Du irgendetwas in Dir, was Dich glauben lässt, dass es erregend ist, einen anderen Menschen zu dominieren oder von ihm dominiert zu werden?
Wenn nicht: Lass es bleiben. Versuche es nicht.
Auf fein! Genau so will ich es!
Bitte nehme Abstand davon, Deine Fantasien schnell in die Tat umzusetzen. Du hast einen weiten Weg vor Dir.
Wichtig ist zunächst, dass Du ganz viel liest. Recherchiere im Web und finde heraus, was Dich wirklich anspricht. Knüpfe Kontakte zu anderen Menschen, die mehr Erfahrungen haben als Du. Tausche Dich mit ihnen aus.
Sortiere genau, welche Fantasien überhaupt real umsetzbar sind. Es gibt zuhauf Geschichten und Filme, in denen sadomasochistische Praktiken beschrieben und gezeigt werden, die so gar nicht funktionieren. Und es ist auch nichts Ungewöhnliches, dass Kopfkino in der Realität frustriert.
Unterschätze keine Gefahren. Oftmals entsteht der Eindruck, BDSM ginge ganz leicht. Tatsächlich aber bedarf es Erfahrung und auch dem Bewußtsein, welche Risiken lauern können. Ist eine Hand erstmal blau angelaufen und Du bekommst den Knoten nicht auf, platzt Haut unter Deinem völlig überzogenen und deplazierten Schlag auf oder röchelt Dein Partner in einer Seilschleife, aus der Du ihn nicht mehr heraus bekommst, ist es zu spät. Hinter mancher Ecke lauern erst Panik und gleich dahinter nicht mehr gut zu machende körperliche und psychische Schäden. Finger weg!!!
Insbesondere Neueinsteiger und Menschen, die keine oder wenige Erfahrungen mit solchen Praktiken haben, können schnell in für sie nicht vorhersehbare Situationen gelangen, die durchaus gesundheitsschädlich oder sogar lebensbedrohlich sein können! SM ist eine ernsthafte Sache, auch wenn oft von einem Spiel gesprochen wird! Lasse Dich auch nicht von Anderen verleiten oder irritieren, die Dir erklären, dass sie so etwas 'schon seit Jahren' machen, dabei 'noch nie etwas passiert' ist und solche Warnungen 'etwas für Weicheier' sind. Wenn erst etwas passiert ist, dann könnte es zu spät sein!
Irgendwann soll es dann doch real sein...
Wenn Du Dich auf erste Ausflüge in die reale BDSM-Welt begeben möchtest und Dir sicher bist, dass Du den Unterschied zwischen Kopfkino und Realität nicht nur erleben, sondern auch verkraften kannst, bleibt noch immer ein Restrisiko: Manche Partner fühlen sich "in echt" plötzlich doch ganz anders an, als es vornweg den Eindruck erweckte.
Ganz gleich, ob die Ernüchterung nicht vorherzusehen war oder Dir sogar absichtlich etwas vorgegaukelt wurde, können solche Situationen gefährlich werden.
Nicht nur für Deine Seele, sondern auch für Deinen Körper. Entpuppt sich beispielsweise der angeblich sanft einweisende Dom als sexhungriger Hardcore-Sadist, während Du auf der Suche nach ersten Erfahrungen gefesselt und geknebelt vor ihm liegst, ist es zu spät."
Wir möchten offen dazu beitragen, Berührungsängste abzubauen und einen differenzierten Blick auf das Thema zu ermöglichen. BDSM ist bedauerlicherweise noch immer mit Vorurteilen, Stigmatisierung und auch Diskriminierung verbunden. Ein Grund dafür liegt unter anderem in vereinfachten oder verzerrten Darstellungen in Film und Fernsehen, die häufig nicht die Realität verantwortungsvoll gelebter BDSM-Beziehungen widerspiegeln.
Dabei ist es völlig in Ordnung, wenn BDSM für manche Menschen kein persönliches Thema ist oder nicht den eigenen Vorstellungen entspricht. Entscheidend ist jedoch ein respektvoller Umgang miteinander. Unser Wunsch ist nicht, Menschen von etwas zu überzeugen, sondern dazu beizutragen, dass weniger Vorurteile entstehen und mehr Verständnis für unterschiedliche Lebensweisen möglich wird.
Wer mehr über das Thema erfahren möchte, kann sich gerne an mich wenden, den begleite ich gern auch als Coach und Dozentin für BDSM.

