Frauenrechte wurden nicht geschenkt. Sie wurden erkämpft.
Frauenrechte wurden nicht geschenkt. Sie wurden erkämpft.
Wenn wir heute wählen gehen, unseren Beruf frei wählen, ein eigenes Konto besitzen, studieren, ein Unternehmen gründen oder selbst entscheiden, wie wir unser Leben gestalten, erscheint vieles selbstverständlich.
Doch selbstverständlich war das nicht.
Emanzipation bedeutet Befreiung aus Abhängigkeit und Bevormundung. Es geht nicht darum, Männer gegen Frauen auszuspielen oder besser zu sein als andere.
Es geht um gleiche Rechte, gleiche Würde und die Freiheit, das eigene Leben selbst zu bestimmen.
Dieser Weg wurde von unzähligen Frauen bereitet. Einige kennen wir. Viele nicht.
Frauen, die Geschichte verändert haben
Louise Otto-Peters (1819–1895)
Sie kämpfte für Bildung, Erwerbstätigkeit und politische Teilhabe von Frauen und gehörte zu den Begründerinnen der organisierten deutschen Frauenbewegung.
Hedwig Dohm (1831–1919)
Sie forderte bereits im 19. Jahrhundert Frauenwahlrecht und politische Gleichberechtigung.
Helene Lange (1848–1930)
Sie setzte sich für Bildung und Ausbildung von Mädchen und Frauen ein – als Grundlage für Selbstständigkeit.
Anita Augspurg (1857–1943) und Lida Gustava Heymann (1868–1943)
Sie kämpften für Frauenwahlrecht, politische Rechte und gesellschaftliche Gleichstellung.
Marie Juchacz (1879–1956)
Sie stand für politische und soziale Teilhabe von Frauen, sprach als erste Frau vor einem demokratisch gewählten deutschen Parlament und gründete die Arbeiterwohlfahrt mit.
Clara Zetkin (1857–1933)
Sie verband den Kampf für Frauenrechte und wirtschaftliche Gleichstellung mit der Arbeiterbewegung und der sozialen Frage.
Elisabeth Selbert (1896–1986)
Sie kämpfte entscheidend dafür, dass die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Grundgesetz verankert wurde, und mobilisierte dafür auch die Öffentlichkeit.
Alice Schwarzer (1942)
Sie wurde zu einer der bekanntesten Stimmen der neuen Frauenbewegung und machte insbesondere Selbstbestimmung, Gewalt gegen Frauen und gesellschaftliche Gleichberechtigung öffentlich zum Thema.
Ein Blick zurück
1848/1865 – Die Frauenbewegung entsteht
Im 19. Jahrhundert werden Frauen zunehmend politisch aktiv.
Louise Otto-Peters und andere fordern Bildung, Erwerbstätigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. 1865 entsteht mit dem Allgemeinen Deutschen Frauenverein eine organisierte Frauenbewegung.
Frauen beginnen, gemeinsam für ihre Rechte einzutreten.
1900–1908 – Frauen erkämpfen den Zugang zu Hochschulen
1900 werden Frauen in Baden erstmals in Deutschland ohne Einschränkungen zum Hochschulstudium zugelassen. In den folgenden Jahren ziehen die anderen deutschen Länder nach.
1908 ist das Hochschulstudium für Frauen schließlich im gesamten Deutschen Reich möglich.
Damit werden höhere Bildung und später auch eine eigenständigere berufliche Lebensgestaltung möglich.
Bildung wird zu einem wichtigen Schlüssel der Emanzipation.
1908 – Politische Organisation wird möglich
Frauen dürfen sich nun wesentlich freier politisch organisieren und Parteien beitreten.
Mit der Aufhebung der bisherigen Einschränkungen im Vereinsrecht können Frauen nun auch selbst politisch aktiv werden.
Doch das wichtigste politische Recht fehlt noch:
das Wahlrecht.
1918/19 – Frauen erhalten das Wahlrecht
Am 30. November 1918 wird das aktive und passive Wahlrecht für Frauen gesetzlich eingeführt. Am 19. Januar 1919 können Frauen bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung erstmals auf nationaler Ebene wählen und gewählt werden.
Frauen ziehen in die Nationalversammlung ein.
Eine von ihnen ist Marie Juchacz, die am 19. Februar 1919 als erste Frau vor einem demokratisch gewählten deutschen Parlament spricht.
Damit beginnt eine neue politische Wirklichkeit:
Frauen sind nicht mehr nur von politischen Entscheidungen betroffen – sie können selbst über Politik mitentscheiden.
1933–1945 – Ein Rückschritt unter der NS-Diktatur
Die Entwicklung der Frauenrechte wird brutal unterbrochen.
Die organisierte Frauenbewegung wird weitgehend zerschlagen oder gleichgeschaltet. Frauen sollen vor allem Ehefrauen und Mütter sein. Politische Mitbestimmung, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Eigenständigkeit werden zurückgedrängt.
Gleichzeitig zeigt sich ein Widerspruch: Das NS-Regime propagiert die traditionelle Rolle der Frau, ist während des Krieges aber zunehmend auf die Arbeitskraft von Frauen angewiesen. Die tatsächliche Politik gegenüber Frauen richtet sich deshalb auch nach den wirtschaftlichen und militärischen Bedürfnissen des Regimes.
Diese Zeit ist eine Mahnung.
Sie zeigt, wie schnell erkämpfte Rechte und Freiheiten eingeschränkt oder zurückgenommen werden können, wenn Demokratie, Menschenrechte und Gleichberechtigung nicht geschützt werden.
Frauenrechte sind keine Selbstverständlichkeit.
Was einmal erreicht wurde, ist nicht automatisch für immer sicher.
Deshalb dürfen wir heute nicht nur zurückblicken und stolz darauf sein, was Generationen vor uns erreicht haben.
Wir müssen auch aufmerksam bleiben, wenn Freiheit, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung wieder infrage gestellt werden.
Erinnern heißt nicht nur zurückzuschauen.
Erinnern heißt auch, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.
1949 – Gleichberechtigung im Grundgesetz
Das Grundgesetz erklärt:
„Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“
Eine entscheidende Rolle spielt Elisabeth Selbert, die dafür kämpft, dass dieser Satz tatsächlich in das Grundgesetz aufgenommen wird. Gemeinsam mit Frauenrechtsorganisationen und anderen Abgeordneten setzt sie sich schließlich durch.
Doch Recht und gesellschaftliche Realität sind noch lange nicht dasselbe.
1958 – Frauen werden rechtlich selbstständiger
Das sogenannte Gleichberechtigungsgesetz tritt am 1. Juli 1958 in Kraft.
Verheiratete Frauen dürfen ihr eigenes Vermögen nun selbst verwalten. Sie dürfen – sofern sie Haushalt und Familie nicht vernachlässigen – einer Erwerbstätigkeit nachgehen, ohne dass der Ehemann ihr Arbeitsverhältnis einfach beenden kann. Auch das eheliche Güterrecht wird verändert.
Heute klingt vieles davon selbstverständlich.
Damals war es ein wichtiger Schritt in Richtung rechtlicher und wirtschaftlicher Selbstständigkeit.
1977 – Ehe und Beruf werden neu geregelt
Die Reform des Ehe- und Familienrechts ersetzt das gesetzliche Leitbild der sogenannten Hausfrauenehe durch das partnerschaftliche Prinzip.
Beide Ehepartner sind nun grundsätzlich zur gemeinsamen Haushaltsführung verpflichtet und gleichermaßen zur Erwerbstätigkeit berechtigt. Die Frau ist damit nicht länger rechtlich auf die Rolle der Hausfrau festgelegt.
Eine der bekanntesten Stimmen der neuen Frauenbewegung wird Alice Schwarzer.
Doch die Veränderung entsteht nicht nur durch bekannte Persönlichkeiten.
Tausende Frauen engagieren sich in Initiativen, Beratungsstellen, Gewerkschaften, Parteien und Frauenzentren.
1994 – Nicht nur Gleichheit auf dem Papier
Artikel 3 des Grundgesetzes wird ergänzt.
Der Staat soll die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung fördern und bestehende Nachteile beseitigen.
Damit wird ausdrücklich anerkannt:
Gleiche Rechte bedeuten nicht automatisch gleiche Lebensbedingungen.
1997 – Vergewaltigung in der Ehe wird strafbar
Erst 1997 wird Vergewaltigung in der Ehe ausdrücklich unter Strafe gestellt.
Ein erschreckend spätes Datum.
Es zeigt, wie jung unsere heutige Vorstellung von sexueller Selbstbestimmung und körperlicher Unversehrtheit tatsächlich ist.
2006 – Schutz vor Diskriminierung
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) tritt in Kraft und stärkt den Schutz vor Diskriminierung, unter anderem aufgrund des Geschlechts.
2017 – Ehe für alle
Die Ehe wird für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet.
Auch das steht für einen größeren gesellschaftlichen Wandel hin zu Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und der Freiheit, das eigene Leben und seine Partnerschaften selbst zu gestalten.
Unsere heutige Vorstellung von Selbstbestimmung
Unsere heutige Vorstellung von Selbstbestimmung und körperlicher Unversehrtheit ist historisch gesehen sehr jung.
Wir dürfen wählen.
Wir dürfen studieren.
Wir dürfen arbeiten.
Wir dürfen Unternehmen gründen.
Wir dürfen unseren eigenen Lebensunterhalt verdienen.
Wir dürfen unseren Lebensweg selbst bestimmen.
Frauen sitzen in Parlamenten.
Sie führen Unternehmen.
Sie forschen.
Sie arbeiten im Handwerk.
Sie fliegen Flugzeuge.
Sie sind Ärztinnen, Richterinnen, Polizistinnen, Soldatinnen, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Unternehmerinnen und vieles mehr.
Das ist ein enormer gesellschaftlicher Fortschritt.
Und wir sollten ihn weder kleinreden noch als selbstverständlich betrachten.
Wir sollten uns seiner Geschichte bewusst sein und ihn weitertragen.
Aber wer hat das alles erreicht?
Nicht eine einzige Frau.
Nicht eine einzige Partei.
Nicht eine einzige Generation.
Und auch nicht ausschließlich berühmte Frauen.
Es waren Millionen Frauen.
Frauen, deren Namen wir kennen.
Und Frauen, deren Namen wir niemals erfahren werden.
Mütter, die ihre Töchter anders erzogen haben.
Arbeiterinnen, die für bessere Bedingungen gekämpft haben.
Lehrerinnen, die Mädchen Bildung ermöglichten.
Frauen, die sich gewerkschaftlich organisierten.
Frauen, die demonstrierten.
Frauen, die Bücher schrieben.
Frauen, die vor Gericht gingen.
Frauen, die sich gegen Gewalt wehrten.
Frauen, die ein eigenes Unternehmen gründeten.
Frauen, die sagten:
„Nein. Das akzeptiere ich nicht.“
Und Frauen, die ihren Töchtern sagten:
„Du darfst deinen eigenen Weg gehen.“
Und auch Männer haben diese Veränderungen unterstützt, begleitet und mitgetragen.
Emanzipation ist deshalb keine Geschichte gegen Männer.
Sie ist eine Geschichte gegen Bevormundung und Ungleichheit.
Heute – Selbstbestimmung braucht auch Vernunft
Auf Social Media erleben traditionelle Rollenbilder unter Begriffen wie „Tradwife“ neue Aufmerksamkeit.
Eine Frau, die sich freiwillig für Familie und ein traditionelles Lebensmodell entscheidet, ist deshalb nicht gegen Emanzipation.
Freiheit bedeutet auch, selbst entscheiden zu dürfen, wie man leben möchte.
Aber gerade deshalb sollten wir uns bewusst machen, dass eine freie Entscheidung auch dann frei bleiben sollte, wenn sich die Lebensumstände verändern.
Eine Ehe kann scheitern, Lebensumstände können sich verändern. Was heute sicher erscheint, kann morgen anders aussehen.
Ich spreche aus eigener Erfahrung: Für mich war es rückblickend ein großer Fehler, mich vollständig aus dem Berufsleben zurückzuziehen.
Deshalb sollte jede Frau – auch wenn sie sich für Familie entscheidet – möglichst ihre Verbindung zum Berufsleben und ihre eigene finanzielle Absicherung behalten.
Denn Emanzipation bedeutet nicht, dass jede Frau Karriere machen oder Vollzeit arbeiten muss.
Sie bedeutet, selbst entscheiden zu können – und den eigenen Weg auch wieder verändern zu können.
Wir dürfen lieben, vertrauen und Familie an erste Stelle setzen.
Aber wir sollten unsere wirtschaftliche und persönliche Handlungsfähigkeit nicht vollständig aus der Hand geben.
Frauenrechte wurden nicht geschenkt. Sie wurden erkämpft.
Wir dürfen stolz sein auf das, was Generationen vor uns gemeinsam erreicht haben.
Und wir sollten klug genug sein, diese Freiheit nicht als selbstverständlich zu betrachten – sondern sie für die Zukunft zu bewahren.

Emanzipation – wir sind noch nicht am Ziel
„Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. “ – Martin Luther
Ein Satz, der mich bis heute prägt.
Ich bin anstrengend, weil ich ausspreche, was ich denke. Ich bin laut. Ich stelle Fragen, hinterfrage Dinge und spreche auch das aus, was andere vielleicht lieber nicht hören möchten.
Ich ecke damit an. Das weiß ich.
Aber ich möchte nicht schweigen, nur um nicht anzuecken. Das wäre nicht ich.
Ich will niemanden missionieren oder davon überzeugen, dass nur meine Sichtweise richtig ist. Das würde mir selbst widersprechen.
Aber vielleicht kann ich zum Nachdenken und Reflektieren anregen. Vielleicht stimmen sie mir zu, vielleicht widersprechen sie mir. Beides ist für mich in Ordnung. Entscheidend ist, dass ein Gedanke etwas in Bewegung bringen kann.
Wir Frauen haben viel erreicht
Darauf sollten wir stolz sein.
Aber wir sind noch nicht am Ziel.
Noch immer gibt es Unterschiede bei Einkommen und Besoldung. Frauen übernehmen häufiger unbezahlte Sorgearbeit, unterbrechen ihre berufliche Entwicklung wegen Kindern oder Angehörigen und tragen dadurch nicht selten Nachteile bei Karriere, Einkommen und Altersvorsorge.
Ich kenne das aus meinem eigenen Leben.
Ich - vier fache Mutter - habe mich damals entschieden, zu Hause zu bleiben und mich um Kinder, Küche und Kegel zu kümmern. Diese Entscheidung hatte Folgen für meinen beruflichen Weg – und ich spüre sie bis heute.
Ich mache mir dafür keine Vorwürfe. Aber ich habe daraus gelernt. Heute würde ich anders entscheiden.
Emanzipation ist kein Frauenthema allein
Durch meine Arbeit als Coach habe ich gelernt, dass auch Männer unter Rollenbildern und fehlender Selbstbestimmung leiden können.
Auch Männer können in Beziehungen psychischem Druck, Kontrolle oder Gewalt ausgesetzt sein. Manche Männer sind körperlich stark und wirken nach außen selbstbewusst, lassen sich in einer Beziehung aber mental kleinmachen und trauen sich nicht offen darüber zu sprechen:
„Du bist doch ein Mann.“
„Stell dich nicht so an.“
„Du lässt dich von einer Frau fertig machen?“
Die Angst, von Freunden als Versager, Schwächling oder „Lutscher“ angesehen zu werden, kann Männer davon abhalten zu sagen:
„Mir geht es in meiner Beziehung oder in meiner Familie nicht gut.“
Gewalt, Manipulation, Kontrolle und Abhängigkeit haben kein Geschlecht.
Für mich bedeutet Emanzipation deshalb Selbstbestimmung für alle.
Jeder Mensch sollte über sein Leben, seinen Körper, seine Sexualität, seine Beziehungen und seine Grenzen selbst bestimmen dürfen. Jeder Mensch sollte Nein sagen und Hilfe annehmen können, ohne sich dafür schämen zu müssen.
Es geht nicht darum, Frauen gegen Männer auszuspielen.
Es geht darum, Menschen aus Rollen zu befreien, die ihnen nicht guttun.
Warum ich dafür einstehe
Heute kremple ich meine Ärmel hoch und kämpfe für Gleichberechtigung, sexuelle Selbstbestimmung und Toleranz.
Weil ich so bin.
Ich konnte schon als Kind nicht wegsehen, wenn etwas nicht stimmte. Ich bin so.
Für mich bedeutet Emanzipation nicht, dass eine Seite gewinnt.
Sie bedeutet, dass jeder Mensch die Freiheit bekommt, sein eigenes Leben zu leben.
Wir Frauen haben viel erreicht. Darauf sollten wir stolz sein.
Aber wir sind noch nicht am Ziel:
„Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott, gib mir Kraft und Beständigkeit. Amen.“

Eine bunte Welt ist eine schöne Welt. Eine bunte Welt ist eine wertvolle Welt.
Manchmal nehmen wir das Schönste im Leben als selbstverständlich hin.
Dass wir frei reisen können.
Dass Kinder sicher aufwachsen und ihren eigenen Weg finden können.
Dass Frauen und Männer ihre Träume verwirklichen dürfen.
Dass Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religionen und Kulturen gemeinsam in unseren Städten und Dörfern leben.
Dass wir unsere Meinung frei äußern dürfen.
Viele Menschen haben heute jedoch das Gefühl, dass respektvolle Gespräche schwieriger geworden sind.
Die digitale Welt ist schnelllebig.
Nachrichten verbreiten sich innerhalb weniger Sekunden.
Ein Foto.
Ein Video.
Oder ein unüberlegter Satz.
Was einmal im Internet veröffentlicht wurde, verschwindet oft nie wieder.
Gerade Kinder und Jugendliche stehen dadurch unter einem enormen Druck. Soziale Medien begleiten sie rund um die Uhr. Likes, Kommentare, Ausgrenzung und Cybermobbing können das Leben nachhaltig beeinflussen.
Umso wichtiger sind Respekt, Wertschätzung und echtes Zuhören.
Meinungsfreiheit bedeutet nicht nur, seine Gedanken äußern zu dürfen.
Sie bedeutet auch, Verantwortung für die eigenen Worte zu übernehmen und andere Meinungen auszuhalten.
Eine freie Gesellschaft lebt nicht von Lautstärke.
Sie lebt von Respekt.
Von Menschlichkeit.
Und von der Bereitschaft, miteinander statt übereinander zu sprechen.
Dass jeder Mensch seinen Glauben frei leben darf.
Oder sich bewusst gegen eine Religion entscheiden kann.
Ohne Angst.
Ohne Zwang.
Und mit Respekt gegenüber den Überzeugungen anderer.
Denn Glaubensfreiheit bedeutet, seinen eigenen Weg gehen zu dürfen – solange die Rechte und die Freiheit anderer geachtet werden.
Dass wir lieben dürfen, wen wir lieben.
Dass wir unsere Zukunft selbst gestalten können.
All das ist nicht selbstverständlich.
Es ist das Ergebnis unzähliger Menschen, die über Generationen hinweg daran gearbeitet haben, unsere Gesellschaft gerechter, freier und menschlicher zu machen.
Frauen und Männer.
Junge und Alte.
Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
Menschen mit und ohne Behinderung.
Menschen unterschiedlichster Herkunft.
Sie alle haben dazu beigetragen, dass unsere Gesellschaft heute dort steht, wo sie ist.
Sie haben Brücken gebaut statt Mauern.
Sie haben Verantwortung übernommen.
Und sie haben niemals aufgehört, an eine bessere Zukunft zu glauben.
Heute leben wir in einer Welt, die bunt ist.
Mit unterschiedlichen Sprachen.
Mit verschiedenen Kulturen.
Mit unterschiedlichen Traditionen.
Mit Menschen, die verschieden aussehen.
Verschieden glauben.
Verschieden leben.
Verschieden denken.
Und genau das macht unsere Gesellschaft reich.
Vielfalt ist keine Schwäche.
Sie ist eine Stärke.
Denn jeder Mensch bringt Erfahrungen, Talente, Ideen und Geschichten mit, von denen wir lernen können.
Eine bunte Gesellschaft bedeutet nicht, dass alle derselben Meinung sein müssen.
Im Gegenteil.
Demokratie lebt von unterschiedlichen Ansichten.
Von Fragen.
Von Kritik.
Von neuen Ideen.
Und manchmal auch davon, die eigene Meinung zu überdenken.
Respekt bedeutet nicht, immer einer Meinung zu sein.
Respekt bedeutet, jedem Menschen dieselbe Würde entgegenzubringen, die wir auch für uns selbst erwarten.
Natürlich ist eine freie Gesellschaft nicht immer einfach.
Unterschiedliche Ansichten führen zu Diskussionen.
Doch genau darin liegt ihre Stärke.
Wir lösen Konflikte mit Worten.
Mit demokratischen Entscheidungen.
Nicht mit Hass.
Nicht mit Gewalt.
Nicht mit Terror.
Terror kennt keine Nationalität.
Keine Religion.
Keine Hautfarbe.
Er kennt nur Angst, Leid und Zerstörung.
Wer Menschen gegeneinander aufbringt oder Gewalt gegen Unschuldige ausübt, greift genau das an, was unsere Demokratie stark macht.
Unsere Antwort darf deshalb nicht Hass sein.
Sondern Zusammenhalt.
Nicht Ausgrenzung.
Sondern Begegnung.
Nicht Vorurteile.
Sondern gegenseitiges Kennenlernen.
Die Welt, in der wir heute leben dürfen, wurde von Generationen vor uns aufgebaut.
Sie haben gearbeitet.
Sie haben Verantwortung übernommen.
Sie haben Fehler gemacht.
Sie haben daraus gelernt.
Und sie haben unsere Gesellschaft Schritt für Schritt gerechter gemacht.
Nun liegt es an uns, diese Errungenschaften zu bewahren.
Nicht indem wir Menschen nach Herkunft, Religion, Hautfarbe oder Lebensweise beurteilen.
Sondern indem wir jedem Menschen mit Offenheit begegnen und ihn an seinem Handeln messen.
Denn Freiheit bedeutet Verantwortung.
Demokratie bedeutet Mitgestaltung.
Und eine bunte Gesellschaft bedeutet, Unterschiede nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung zu verstehen.
Vielleicht ist genau das die größte Errungenschaft unserer Zeit:
Dass Menschen verschieden sein dürfen.
Und trotzdem gemeinsam in Frieden leben können.
Bewahren wir dieses Geschenk.
Für uns.
Für unsere Kinder.
Für unsere Enkel.
Und für alle Generationen, die nach uns kommen.
Denn eine bunte Welt ist nicht nur schöner.
Sie ist menschlicher.
Und genau deshalb lohnt es sich, sie jeden Tag aufs Neue zu schützen – mit Respekt, Mitgefühl, Verantwortung und dem Mut, füreinander einzustehen.

Religionsfreiheit – ein Menschenrecht
Religionsfreiheit ist ein grundlegendes Menschenrecht. Jeder Mensch darf selbst entscheiden, woran er glaubt, welcher Religion oder Weltanschauung er sich zugehörig fühlt – oder ob er keiner Religion angehört.Religionsfreiheit bedeutet jedoch nicht, dass eine Religion über anderen steht. Sie schützt alle Menschen und alle Glaubensrichtungen gleichermaßen. Gerade in einer vielfältigen Gesellschaft geht es deshalb darum, einander mit Respekt zu begegnen, Unterschiede auszuhalten und gemeinsame Werte wie Menschenwürde, Freiheit und gegenseitige Achtung zu bewahren.

Viele Wege. Viele Glaubensrichtungen. Viele Menschen.
Und doch nur eine Menschheit.
Die Welt ist voller unterschiedlicher Religionen, Glaubensrichtungen und spiritueller Wege. Jede von ihnen hat ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Rituale, Vorstellungen und Antworten auf die großen Fragen des Lebens.
Christentum, Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus, Sikhismus, Jainismus, Bahá’í, Daoismus, Konfuzianismus, Shinto, Zoroastrismus sowie die vielen traditionellen und indigenen Religionen sind dabei nur ein Teil dieser großen Vielfalt. Manche Menschen glauben an Gott, andere an mehrere göttliche Wesen oder eine universelle Kraft, wieder andere finden ihren Weg in der Natur, in der Spiritualität oder ganz ohne Religion.
Und genau diese Verschiedenheit gehört zur Menschheit.
Wir müssen nicht dasselbe glauben, um uns gegenseitig zu achten. Wir müssen nicht dieselben Antworten haben, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Und wir müssen auch nicht überzeugt sein von dem, woran ein anderer Mensch glaubt, um seine Freiheit zu respektieren.
Wenn wir genauer hinschauen, entdecken wir trotz aller Unterschiede immer wieder Werte, die viele religiöse und spirituelle Traditionen miteinander verbinden:
Liebe.
Respekt.
Mitgefühl.
Gerechtigkeit.
Vergebung.
Verantwortung.
Frieden.
Achtung vor dem Leben.
Gemeinschaft.
Natürlich bedeutet das nicht, dass alle Religionen dasselbe lehren. Ihre Gottesbilder, Menschenbilder und Vorstellungen vom Leben und vom Tod können sehr unterschiedlich sein. Verbundenheit bedeutet nicht Gleichheit.
Für mich liegt genau darin eine wichtige Aufgabe unserer Zeit: Unterschiede nicht automatisch als Bedrohung zu sehen, sondern als Möglichkeit, voneinander zu lernen.
Wir dürfen glauben.
Wir dürfen zweifeln.
Wir dürfen Fragen stellen.
Wir dürfen unseren eigenen Weg suchen.
Freiheit bedeutet für mich deshalb nicht nur, selbst frei zu sein. Freiheit bedeutet auch, dem anderen seine Freiheit zuzugestehen.
Dort beginnt echter Respekt.
Und vielleicht müssen wir deshalb weniger darüber sprechen, wer den „richtigen“ Glauben hat, und mehr darüber, wie wir miteinander umgehen.
Denn ein Glaube, eine Weltanschauung oder eine Überzeugung sollte niemals ein Grund sein, einem anderen Menschen seine Würde abzusprechen.
Ich wünsche mir eine Welt,
in der Menschen verschiedener Religionen miteinander leben können, ohne einander ihre Überzeugungen aufzwingen zu müssen.
Eine Welt, in der Glaube und Freiheit nebeneinander bestehen dürfen.
Eine Welt, in der Unterschiede nicht benutzt werden, um Menschen gegeneinander aufzubringen.
Eine Welt, in der wir unsere Verschiedenheit nicht verstecken müssen, aber auch nicht vergessen, was uns verbindet.
Ich wünsche uns Frieden.
Freiheit.
Respekt.
Menschlichkeit.
Nicht weil wir alle gleich sind.
Wir müssen nicht gleich sein, um einander mit Respekt zu begegnen.

