Mensch sein: Freiheit, Mut und innerer Kompass

Ich wünsche mir, dass wir viel mehr positive Begegnungen erleben – Begegnungen, die uns stärken, berühren und daran erinnern, wie wertvoll Menschlichkeit ist.

Doch meine persönliche Lebenserfahrung zeigt mir leider auch eine andere Seite: Unsere Gesellschaft wirkt zunehmend rauer. Ich habe erlebt, dass immer häufiger aus Eigennutz gehandelt und manchmal auch gelogen wird, ohne darüber nachzudenken, was das beim Gegenüber auslöst. Zu oft steht das eigene Ich im Mittelpunkt – und der Mensch mit seinen Gefühlen, Hoffnungen, Verletzungen, Enttäuschungen wird dabei vergessen.

Menschen haben mich immer fasziniert. 

Nicht das, was man auf den ersten Blick sieht, sondern die Geschichte dahinter.

Mich haben deshalb schon immer Menschen berührt und geprägt, die nicht zuerst gefragt haben:

„Was bringt es mir?“

Sondern:

„Was kann ich tun, damit es anderen Menschen besser geht?“

Es gibt Bilder, die mehr sagen als tausend Worte.

Gerade in Zeiten, in denen darüber gesprochen wird, welches Bild unsere Städte prägt, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Denn eine Stadt besteht nicht nur aus Straßen, Häusern und Plätzen.
Eine Stadt lebt durch die Menschen, die in ihr zuhause sind.

Menschen mit unterschiedlichen Geschichten, Lebenswegen, Erfahrungen und Identitäten.

Dieses Bild lädt zu einer wichtigen Frage ein:

Wer gehört zu unserem Stadtbild?

Sind es nur die Menschen, die in bestimmte Vorstellungen passen?
Oder gehört nicht jeder Mensch dazu, der Teil unserer Gesellschaft ist?

Vielfalt bedeutet nicht, dass alle gleich sind.
Vielfalt bedeutet, dass Menschen verschieden sein dürfen und trotzdem dazugehören.

Ich lade Sie ein, dieses Bild auf sich wirken zu lassen.

Diese Gedanken finden wir auch in den Worten aus Römer 15,7:

„Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat, zu Gottes Lob.“

Dieser Satz erinnert uns daran: Wenn wir Menschen mit Respekt, Würde und offenem Herzen begegnen, geben wir dieser Botschaft ein Gesicht.

Als Coach wünsche ich mir eine Welt, in der Menschen nicht in Schubladen gesteckt werden, sondern einander als Menschen begegnen – mit Respekt, Würde und Wertschätzung.

Denn jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, seinen eigenen Wert und seine eigene Würde.

Menschlichkeit beginnt dort, wo wir einander sehen, hören und annehmen.

Menschen haben mehr als nur eine Geschichte

Jeder Mensch trägt eine Geschichte in sich.

Jeder Mensch hat Erfahrungen gemacht, die ihn geprägt haben. Manche sieht man sofort, andere bleiben verborgen.

Deshalb sollten wir Menschen nicht vorschnell beurteilen.

Wir sollten neugierig bleiben.
Wir sollten zuhören.
Wir sollten versuchen zu verstehen.

Denn Menschlichkeit beginnt dort, wo wir den Menschen hinter der Geschichte sehen.

Es gibt viele Wege, auf denen Menschen nach Sinn, Verbindung und einem guten Miteinander suchen.

Neben meiner eigenen christlichen Prägung habe ich auch in anderen Bereichen Werte entdeckt, die mich berühren – zum Beispiel bei Falun Dafa oder im BDSM.

Nicht die Unterschiede stehen für mich im Mittelpunkt, sondern die gemeinsamen Werte:

Vertrauen.
Respekt.
Ehrlichkeit.
Verantwortung.

Als gläubiger Mensch sehe ich darin keinen Widerspruch.

Die Würde des Menschen, Mitgefühl und Nächstenliebe können Menschen auf unterschiedlichen Wegen miteinander verbinden.

Über Mut, Menschlichkeit, Freiheit und die Kraft, 
den eigenen Weg zu gehen.

Menschen, die mich schon als Kind geprägt haben.

Hildegard von Bingen (1098–1179)

Hildegard von Bingen beeindruckt mich bis heute.

Sie war Äbtissin, Gelehrte, Naturkundige, Musikerin und Autorin.

Ihre Geschichte erinnert daran, wie wichtig es ist, den eigenen Weg zu gehen und die eigenen Begabungen einzusetzen.

Sie zeigte, dass Wissen, Kreativität und Mut keine Grenzen kennen und dass auch Menschen ihrer Zeit neue Gedanken entwickeln und Veränderungen anstoßen können.

Franz von Assisi (1181/1182–1226)

Franz von Assisi war ein italienischer Ordensgründer und lebte nach dem Grundsatz, mit Einfachheit, Mitgefühl und Achtung vor allem Lebendigen durchs Leben zu gehen.

Bekannt wurde er besonders durch seine Liebe zu den Menschen, zu den Tieren und zur Natur. Er sah die gesamte Schöpfung als miteinander verbunden und erinnerte daran, dass jeder Mensch – unabhängig von Besitz, Herkunft oder Ansehen – eine eigene Würde besitzt.

Was mich an Franz von Assisi bis heute berührt, ist seine besondere Art, Nächstenliebe nicht nur zu predigen, sondern sie im täglichen Leben sichtbar zu machen.

Papst Franziskus – ein Vorbild für Menschlichkeit, Bescheidenheit und Nächstenliebe

Seinen Namen Franziskus wählte er bewusst nach dem heiligen Franz von Assisi.

Papst Franziskus, mit bürgerlichem Namen Jorge Mario Bergoglio, wurde am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires, Argentinien, geboren. Er wuchs in einer einfachen Familie mit italienischen Wurzeln auf. Sein Vater arbeitete als Eisenbahner. Bevor er seinen Weg in die Kirche ging, studierte er Chemie und arbeitete zunächst als Chemietechniker.

Im Jahr 1958 trat er in den Jesuitenorden ein und wurde 1969 zum Priester geweiht. Später wurde er Erzbischof von Buenos Aires und im Jahr 2001 zum Kardinal ernannt. Am 13. März 2013 wurde er zum Papst gewählt. Er war der erste Papst aus Lateinamerika und der erste Jesuit in diesem Amt.

Papst Franziskus wollte diese Werte in die heutige Zeit tragen. Er setzte sich besonders für Menschen ein, die oft übersehen werden: für Arme, Kranke, Flüchtlinge und Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen. Er erinnerte immer wieder daran, dass jeder Mensch eine Würde besitzt und mit Respekt behandelt werden soll.

Eine besonders eindrucksvolle Handlung war seine Fußwaschung von Gefangenen am Gründonnerstag 2017. Dabei wusch er zwölf Menschen in einem Gefängnis in Rom die Füße – darunter auch Frauen und Menschen verschiedener Religionen. Diese Geste sollte zeigen: Jeder Mensch ist wertvoll, unabhängig von seiner Vergangenheit, Herkunft oder seinem Glauben. Für ihn bedeutete Christsein, nicht über anderen zu stehen, sondern ihnen zu dienen.

Auch eine Begegnung auf dem Petersplatz wurde weltweit bekannt: Papst Franziskus umarmte und segnete einen schwer entstellten Mann. Damit setzte er ein Zeichen gegen Ausgrenzung und zeigte, dass niemand wegen seines Aussehens oder seiner Krankheit weniger wert ist.

Wie der heilige Franz von Assisi machte auch Papst Franziskus die Bewahrung der Schöpfung zu einem wichtigen Thema. Mit seiner Enzyklika „Laudato si'“ rief er dazu auf, Verantwortung für unsere Erde zu übernehmen und sorgsam mit der Natur umzugehen.

Auch durch seinen persönlichen Lebensstil wollte er ein Zeichen setzen. Er verzichtete auf manche Formen von Pracht und Luxus und entschied sich für eine einfachere Lebensweise. Statt in den großen päpstlichen Gemächern zu wohnen, lebte er in einer einfacheren Unterkunft. Er wollte nicht als mächtiger Herrscher wahrgenommen werden, sondern als Diener der Menschen.

Papst Franziskus zeigte: Glaube und Werte zeigen sich nicht nur in Worten, sondern vor allem durch das eigene Handeln. Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Vergebung, Respekt und der Einsatz für andere Menschen können die Welt verändern.

Er kann uns ein Vorbild sein, weil er daran erinnert, dass Menschlichkeit wichtiger ist als Besitz, dass Begegnung wichtiger ist als Vorurteile und dass jeder Mensch dazu beitragen kann, die Welt ein Stück friedlicher und liebevoller zu machen.

Die Verbindung zwischen Franz von Assisi und Papst Franziskus zeigt: Wahre Größe entsteht nicht dadurch, dass man über anderen steht, sondern dadurch, dass man für andere da ist.

Florence Nightingale (1820–1910)

Florence Nightingale war eine britische Krankenschwester und Sozialreformerin.

Während des Krimkrieges setzte sie sich für verwundete Soldaten ein und veränderte die Pflege durch bessere Hygiene und neue Standards nachhaltig.

Sie zeigte, dass auch ein einzelner Mensch große Veränderungen bewirken kann, wenn Mut, Wissen und Herz zusammenkommen.

Albert Schweitzer (1875–1965)

Albert Schweitzer war Arzt, Theologe, Philosoph und Musiker. Bekannt wurde er besonders durch seine medizinische Arbeit in Afrika, wo er in Lambaréné ein Krankenhaus gründete.

Sein Leitgedanke war die „Ehrfurcht vor dem Leben“.

Für ihn war jedes Leben wertvoll und verdiente Respekt – unabhängig von Herkunft oder gesellschaftlichem Status.

Was mich an ihm beeindruckt, ist die Verbindung von Wissen, Mitgefühl und praktischem Handeln.

Was mich an diesen Menschen nach wie vor berührt und motiviert, ist nicht, dass sie perfekt waren.

Es ist ihr Mut.

Der Mut, neue Wege zu gehen.
Der Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Der Mut, trotz Grenzen etwas zu verändern.

Selber denken – Verantwortung für die eigene Haltung

Martin Luther – kurze Vita

Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren und starb am 18. Februar 1546 ebenfalls in Eisleben. Er war ein deutscher Theologe, Mönch und eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Reformation.

Bekannt wurde er besonders durch seine 95 Thesen im Jahr 1517, mit denen er die damalige Kirche kritisierte und eine große religiöse und gesellschaftliche Veränderung auslöste. Ein wichtiger Gedanke Luthers war die Bedeutung des eigenen Gewissens: Menschen sollten nicht blind folgen, sondern sich selbst mit Fragen auseinandersetzen und Verantwortung für ihre Überzeugungen übernehmen.

Durch seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche trug Luther außerdem wesentlich dazu bei, dass viele Menschen Zugang zu religiösen Texten erhielten und selbst lesen und verstehen konnten.

Der Gedanke „Selber denken“

Ein Gedanke, der mich bis heute begleitet, ist die Bedeutung des eigenen Denkens. Das zeigt sich auch in dem Lied „Selber denken“ aus dem Martin-Luther-Musical.

Das Lied greift einen zentralen Gedanken der Reformation auf: Der Mensch besitzt ein Gewissen und die Fähigkeit, selbst zu hinterfragen. Es geht darum, nicht einfach alles zu übernehmen, was andere vorgeben, sondern nach Wahrheit zu suchen, Informationen zu prüfen und eine eigene verantwortungsvolle Haltung zu entwickeln.

Martin Luther stand für die Überzeugung, dass Menschen sich mit ihrem Glauben und ihren Entscheidungen selbst auseinandersetzen müssen. Zu seiner Zeit war dies ein mutiger Schritt, denn wer bestehende Vorstellungen infrage stellte, musste mit Widerstand und Konsequenzen rechnen.

„Selber denken“ bedeutet dabei nicht, dass nur die eigene Meinung zählt. Es bedeutet, offen zu bleiben, verschiedene Perspektiven anzuhören und sich bewusst mit Argumenten auseinanderzusetzen. Eigene Gedanken entstehen nicht durch Abgrenzung, sondern durch Wissen, Austausch und Verantwortung.

Dieser Gedanke verbindet sich auch mit späteren gesellschaftlichen Bewegungen, zum Beispiel der Friedensbewegung. Viele Menschen haben gezeigt, dass Veränderung dort beginnt, wo Menschen den Mut haben, Fragen zu stellen, ihre Stimme zu erheben und Verantwortung zu übernehmen.

Auch die Erinnerung an die Friedensbewegung zeigt: Menschen können gemeinsam etwas verändern, wenn sie friedlich für ihre Überzeugungen einstehen. Die Menschketten und Demonstrationen der 1980er Jahre standen für den Wunsch nach Frieden und Verständigung.

Für mich bleibt die Botschaft von „Selber denken“ deshalb bis heute wichtig: Eine demokratische und menschliche Gesellschaft braucht Menschen, die nicht einfach folgen, sondern kritisch hinterfragen, miteinander sprechen und respektvoll nach Lösungen suchen.

Selber denken bedeutet nicht, gegen andere zu denken.
Es bedeutet, bewusst zu denken – mit Gewissen, Verantwortung und Menschlichkeit.

Was Mensch sein für mich bedeutet

Im Laufe meines Lebens habe ich verstanden:

Mensch sein bedeutet nicht, perfekt zu sein.

Mensch sein bedeutet, echt zu sein.

Für mich bedeutet Mensch sein:

Den Menschen hinter der Geschichte zu sehen.
Zuzuhören, statt vorschnell zu urteilen.
Vertrauen aufzubauen.
Respekt zu schenken.
Anderen Menschen mit Herz und Würde zu begegnen.

Diese Haltung begleitet mich bis heute – in meinem Leben und in meiner Arbeit mit Menschen.

Denn am Ende zählt nicht, welchen Titel jemand trägt, wie viel jemand besitzt oder welchen Weg jemand bisher gegangen ist.

Es zählt, wie wir miteinander umgehen.

Es zählt die Menschlichkeit.

Kaiserin Elisabeth („Sisi“) – Die Rebellin im Korsett

Eine Frau zwischen Kaiserkleid und Freiheitsdrang - 1837–1898 

Manche Menschen begleiten uns ein Leben lang. Bei mir begann die Faszination für Elisabeth von Österreich-Ungarn schon in meiner Kindheit – durch die romantischen Sissi-Filme, die ein Bild von einer jungen, schönen und freiheitsliebenden Kaiserin zeichneten.

Mit den Jahren wurde aus der Filmromantik ein echtes Interesse an der Frau hinter der Legende. Mich faszinierte nicht mehr das Kaiserkleid, die Schlösser und die Geschichten über den Hof, sondern der Mensch Elisabeth selbst.

Eine Frau, die in eine Rolle hineingeboren wurde, die ihr wenig Freiheit ließ, und die trotzdem immer ihren eigenen Weg suchte. Eine Kaiserin, die äußerlich Teil einer mächtigen Welt war, innerlich aber nach Unabhängigkeit, Natur und Selbstbestimmung strebte.

Gerade dieser Widerspruch macht Elisabeth für mich bis heute so faszinierend: Sie war nicht nur eine historische Figur, sondern eine Frau mit Träumen, Stärken, Verletzlichkeit und einem unbändigen Wunsch, sie selbst zu sein.

Für ihre Zeit war sie erstaunlich modern und unkonventionell. Sie hinterfragte gesellschaftliche Erwartungen, liebte Literatur, Bildung, Sprachen, Natur und Reisen.Sie setzte sich für die Verbindung zu Ungarn ein und hatte auch für ihren Sohn Kronprinz Rudolf ein tiefes Verständnis. Sie erkannte, dass auch er unter den Erwartungen, Zwängen und Rollenbildern des Kaiserhofes litt.

Doch gerade diese Beziehung zeigt eine wichtige menschliche Erkenntnis: Verständnis allein reicht manchmal nicht aus. Auch Menschen, die selbst nach Freiheit suchen und viel Mitgefühl besitzen, können an ihre eigenen Grenzen kommen. Elisabeth war selbst gefangen zwischen Pflicht, Sehnsucht nach Unabhängigkeit und dem Wunsch, ihren eigenen Weg zu gehen.

Auch ihr Umgang mit ihrem eigenen Körper zeigte ihren Wunsch nach Individualität. Ein Ausdruck ihres ungewöhnlichen Lebensstils war ihr Ankertattoo – für eine Kaiserin des 19. Jahrhunderts ein außergewöhnlicher und mutiger Schritt.

Sisi zeigte viele Gedanken, die später mit Emanzipation verbunden wurden. Sie war keine Frauenrechtlerin im heutigen Sinn und kämpfte nicht öffentlich für die Gleichberechtigung der Frauen. Doch sie verkörperte etwas, das am Anfang jeder Emanzipation steht: den Mut, selbst zu denken, Regeln zu hinterfragen und nicht nur die Rolle zu erfüllen, die andere einem geben.

Auch ihre Ehe mit Kaiser Franz Joseph zeigte ihre ungewöhnliche Persönlichkeit. Da Elisabeth selbst viel reiste und häufig nicht an der Seite ihres Mannes sein konnte, akzeptierte und ermöglichte die Nähe zwischen Franz Joseph und Katharina Schratt. Sie sah Schratt nicht als Konkurrenz, sondern erkannte, dass sie ihrem Mann menschliche Nähe, Gesellschaft und Freundschaft geben konnte.

Dieser Umgang mit Ehe, Nähe und persönlichen Freiräumen war für die damalige Zeit außergewöhnlich und zeigt eine weitere Facette von Elisabeths Persönlichkeit.

Doch Sisi war keine perfekte Heldin. Ihre große Sehnsucht nach Freiheit führte auch dazu, dass sie häufig ihre eigenen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellte. Sie konnte eigenwillig, distanziert und für ihr Umfeld schwierig sein. Gerade diese Seiten machen sie menschlich und zeigen, dass starke Persönlichkeiten nicht frei von Widersprüchen sind.

Sisi war eine Frau zwischen Tradition und Moderne, zwischen Kaiserkleid und persönlicher Freiheit. Sie erinnert daran, dass Emanzipation nicht nur bedeutet, gegen etwas zu kämpfen – sondern auch den Mut zu haben, sich selbst zu finden und den eigenen Weg zu gehen.

Kaiserin Elisabeth („Sisi“) – eine mental starke Frau, die selbst dachte, Grenzen hinterfragte und ihrer Zeit in vielem voraus war.
 

„Schwerter zu Pflugscharen“ – Herkunft, Entwicklung und persönliche Bedeutung

Geboren 1967, erlebte ich die Friedensbewegung vor allem in den 1980er Jahren bewusst mit. Damals war ich noch jung – etwa zwischen 13 und 22 Jahren – und die Themen Frieden, Abrüstung und die Angst vor einem möglichen Krieg prägten viele Menschen meiner Generation.

Als aktiver Teil der Friedensbewegung kann ich mich noch gut an die Menschketten und die vielen friedlichen Demonstrationen erinnern. Menschen gingen gemeinsam auf die Straße – ohne Gewalt und getragen von der Hoffnung, dass viele einzelne Stimmen zusammen etwas bewegen können.

„We shall overcome, we shall overcome one day“ – dieses Lied klingt mir noch heute in den Ohren. Es stand für die Überzeugung, dass Frieden, Zusammenhalt und Menschlichkeit stärker sein können als Angst, Hass und Gewalt.

Das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ passte genau zu dieser Haltung. Es gehört zu den ältesten Bildern für Frieden und Abrüstung und beschreibt die Umwandlung von Waffen in Werkzeuge des Lebens. Die Idee dahinter ist, dass menschliche Kraft und Ressourcen nicht zur Zerstörung, sondern zum Aufbau und zur Gestaltung einer besseren Zukunft eingesetzt werden sollen.

Ursprung in der Bibel

Der Ursprung dieses Bildes liegt im Alten Testament der Bibel. Im Buch Jesaja (Jesaja 2,4) wird eine Zukunftsvision beschrieben:

„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Speere zu Winzermessern.“

Eine ähnliche Aussage findet sich im Buch Micha (Micha 4,3). Diese Texte entstanden vermutlich im 8. bis 7. Jahrhundert vor Christus. In einer Zeit, in der Kriege und Machtkämpfe zwischen Völkern zum Alltag gehörten, entstand die Hoffnung auf eine Zukunft, in der Menschen ihre Fähigkeiten nicht zur Zerstörung, sondern für Frieden und gemeinschaftlichen Aufbau einsetzen.

Entwicklung im Laufe der Geschichte

Über viele Jahrhunderte blieb „Schwerter zu Pflugscharen“ vor allem ein religiöses und ethisches Symbol. Es stand für die Hoffnung auf Versöhnung, Verständigung und die Überwindung von Gewalt.

Im 20. Jahrhundert erhielt das Bild eine neue gesellschaftliche Bedeutung. Nach den Erfahrungen zweier Weltkriege und angesichts der atomaren Aufrüstung wurde es zu einem wichtigen Symbol der Friedens- und Abrüstungsbewegung.

Besonders bekannt wurde das Symbol in der DDR der 1980er Jahre. Friedensgruppen und kirchliche Initiativen nutzten die Darstellung eines Schmieds, der ein Schwert in eine Pflugschar umwandelt, als Zeichen gegen Aufrüstung und für gewaltfreien Protest.

Zeitstrahl

ca. 8.–7. Jahrhundert v. Chr.
→ Entstehung der biblischen Friedensvisionen im Buch Jesaja und Buch Micha.

Antike bis Mittelalter
→ Das Bild bleibt ein Symbol für Frieden, Versöhnung und die Hoffnung auf ein Ende von Gewalt.

19. Jahrhundert
→ Mit den modernen Friedensbewegungen gewinnt der Gedanke der Abrüstung gesellschaftlich an Bedeutung.

Nach 1945
→ Nach dem Zweiten Weltkrieg und im Schatten der atomaren Bedrohung wird „Schwerter zu Pflugscharen“ zu einem internationalen Symbol der Friedensbewegung.

1980er Jahre
→ Das Symbol wird zu einem wichtigen Zeichen der Friedensbewegung und des gewaltfreien Engagements vieler Menschen.

Ab 1990 bis heute
→ „Schwerter zu Pflugscharen“ steht weiterhin weltweit für Frieden, Dialog und die Suche nach gewaltfreien Lösungen.

Bedeutung heute

Für mich bleibt dieses Symbol bis heute aktuell. Es erinnert daran, dass Menschen die Möglichkeit haben, ihre Kraft bewusst einzusetzen: nicht für Zerstörung und Gegeneinander, sondern für Verständigung, Respekt und ein friedliches Miteinander.

Eine über 2.500 Jahre alte Botschaft bleibt damit auch heute wichtig: Frieden beginnt dort, wo Menschen bereit sind, miteinander statt gegeneinander zu handeln.

Martin Stroot sen.

Menschen werden durch ihre Erfahrungen geprägt. Manche Menschen hinterlassen keine Spuren im Sand, sondern Spuren in den Herzen anderer Menschen.

Für mich war Martin Stroot ein solcher Mensch. Er war mein Schwiegervater und zugleich eine Persönlichkeit, deren Lebensweg mich tief beeindruckt hat.

Martin Stroot wurde am 12. Dezember 1927 in Recke geboren. Seine Kindheit und Jugend fielen in eine der schwierigsten Zeiten der deutschen Geschichte.

Als der Zweite Weltkrieg 1939 begann, war er elf Jahre alt. Bei Kriegsende 1945 war er siebzehn. Er gehörte damit zu einer Generation, die früh mit Unsicherheit, Entbehrungen und den Folgen des Krieges konfrontiert wurde.

Diese Erfahrungen prägten viele Menschen seiner Generation. Sie entwickelten häufig eine besondere Einstellung zu Verantwortung, Zusammenhalt und dem Aufbau einer neuen Zukunft. Auch Martin Stroot wurde zu einem Menschen, der nicht stehen blieb, sondern gestalten wollte.

Nach dem Krieg widmete er sein Leben dem Aufbau und der Entwicklung seiner Heimat.

Von 1961 bis 1984 war Martin Stroot Bürgermeister der Gemeinde Recke. In dieser Zeit begleitete er wichtige Entwicklungen seiner Heimatgemeinde und setzte sich für die Menschen vor Ort ein.

Von 1984 bis 1994 übernahm er als ehrenamtlicher Landrat des Kreises Steinfurt erneut Verantwortung. Neben seinen politischen Aufgaben war er auch als engagierter Unternehmer tätig.

Sein Lebensweg stand für eine Haltung, die ihn auszeichnete: Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und sich für das Gemeinwohl einsetzen.

Was ihn für mich besonders machte, waren nicht nur seine beruflichen Leistungen, sondern seine Art, mit Menschen umzugehen. Er war bodenständig, verlässlich und eng mit seiner Heimat verbunden. Vor allem aber war er ein Mensch, der für andere immer ein offenes Ohr hatte. Er nahm sich Zeit, hörte zu und begegnete Menschen mit Respekt. Er suchte nicht zuerst nach einem Urteil, sondern nach Verständnis und einer gemeinsamen Lösung.

Seine Stärke lag darin, nicht nur über Veränderungen zu sprechen, sondern selbst daran mitzuwirken. Er war ein Mensch, der Lösungen suchte und Verantwortung nicht als Belastung, sondern als Aufgabe verstand.

Aus seinem Leben lassen sich Werte ableiten, die auch heute wichtig sind:

Verantwortung: Nicht auf andere zu warten, sondern selbst einen Beitrag zu leisten.

Bodenständigkeit: Sich selbst treu zu bleiben und Menschen unabhängig von ihrer Stellung mit Respekt zu begegnen.

Ausdauer: Auch bei schwierigen Aufgaben weiterzumachen.

Gemeinschaftssinn: Zu erkennen, dass eine Gesellschaft durch Menschen entsteht, die sich einbringen.

Martin Stroot ist am 27. Juli 2022 im Alter von 94 Jahren verstorben.

Er fehlt mir.

Was bleibt, ist vor allem Dankbarkeit:

Dankbarkeit für einen Menschen, der viel bewegt hat.
Dankbarkeit für einen Schwiegervater, von dem ich lernen durfte.
Dankbarkeit für ein Vorbild, dessen Werte weiterleben.

Menschlichkeit beginnt – 
bei uns selbst und im Miteinander

Auf meiner Suche nach Musik, die Gefühle wie Zweifel, Hoffnung, Verletzlichkeit, Mut und den Wunsch nach echter Verbindung ausdrückt, bin ich auf den jungen Künstler Taylor gestoßen. Seine Texte haben mich tief berührt, weil er in Worte und Töne fasst, was viele Menschen fühlen, aber oft nicht aussprechen können. Manchmal fehlt uns der Mut, unsere Gedanken, unsere Gefühle und unsere eigene Wahrheit sichtbar zu machen.

Gerade das beeindruckt mich an ihm: die Offenheit und Reflexion, mit der er seine Erfahrungen, sein Leben und seine Gedanken in seine Musik einfließen lässt. Er zeigt, dass es Stärke bedeutet, sich selbst zu zeigen – mit allem, was dazugehört.

Taylor singt nicht einfach nur Lieder. Er erzählt von dem, was ihn bewegt, was ihn geprägt hat und was viele Menschen tief in ihrem Inneren kennen. Seine Texte geben Gefühlen eine Stimme und erinnern daran, wie wichtig Menschlichkeit, Mitgefühl und echtes Zuhören gerade heute sind.

Für mich ist Taylor ein Brückenbauer – ein Mensch, der verbindet. Er zeigt, dass Musik Menschen zusammenbringen kann, unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebensweg. Sie kann Verständnis schaffen und uns daran erinnern, dass hinter jedem Menschen eine eigene Geschichte steht.

Mehr über Taylor, seine Musik und seine persönlichen Gedanken finden Sie hier:

https://taylor.de/tagebuch/

Shen Yun – Live erlebt. Danke!

Shen Yun – Eine Begegnung, die mich bewegt hat

Manche Begegnungen bleiben im Herzen.

Ich hatte die Gelegenheit, Shen Yun live zu erleben. Die Verbindung aus Tanz, Musik, Farben und traditioneller chinesischer Kultur hat mich tief beeindruckt und mir besondere Momente geschenkt.

Besonders bewegt haben mich die Themen Mut, Hoffnung, Freiheit und die Bedeutung kultureller Identität.

Nach der Aufführung begann ich, mich intensiver mit den Hintergründen von Shen Yun und der Verbindung zu Falun Dafa auseinanderzusetzen.

Falun Dafa, auch Falun Gong genannt, ist eine spirituelle Praxis, die 1992 in China gegründet wurde und meditative Übungen mit einer ethischen Lebensphilosophie verbindet. Im Mittelpunkt stehen die Werte Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht – Werte, die für einen bewussteren und respektvollen Umgang mit sich selbst und anderen verstanden werden.

 Dabei wurde mir bewusst:

Hinter jeder Kunstform stehen Menschen.

Menschen mit Geschichten, Hoffnungen, Überzeugungen und Herausforderungen.

Der Film „Unbroken – The Untold Story of Shen Yun“ gibt weitere Einblicke in die Erfahrungen von Künstlerinnen und Künstlern sowie in ihre Motivation, ihre Kunst mit anderen Menschen zu teilen.

Was können wir aus solchen Begegnungen lernen?

Kunst kann Brücken bauen. Sie kann Geschichten sichtbar machen, Menschen verbinden und Werte vermitteln.

Vorbilder sind Menschen mit Geschichten

Jede Begegnung kann uns etwas schenken:

Die Chance, Neues zu lernen.
Andere Perspektiven zu entdecken.
Mut zu finden.
Und vielleicht selbst über uns hinauszuwachsen.

Hinter jedem Menschen stehen Erfahrungen, Entscheidungen, Herausforderungen, Träume und Hoffnungen.

Oft sehen wir nur das, was nach außen sichtbar ist:
eine Rolle, einen Beruf, eine Leistung oder ein bestimmtes Bild.

Doch der Mensch dahinter ist immer viel mehr.

Auch Vorbilder sind keine perfekten Menschen. Sie haben Zweifel, machen Fehler, erleben Rückschläge und müssen ihren eigenen Weg finden.

Ob historische Persönlichkeit, engagierter Mensch unserer Zeit oder jemand, dessen Geschichte uns ganz persönlich berührt – Vorbilder können uns zeigen, was möglich ist.

Sie können Mut machen, neue Wege zu gehen.
Sie können uns zum Nachdenken bringen.
Und manchmal erkennen wir in ihrer Geschichte sogar etwas von uns selbst.

Wer bereit ist zuzuhören, entdeckt deshalb mehr als eine beeindruckende Lebensgeschichte. Er entdeckt den Menschen dahinter – mit seinen Stärken und Schwächen, seinen Hoffnungen, Ängsten und Entscheidungen.

„Begegnung Mensch“ steht für meine Überzeugung:

Ein Vorbild muss nicht perfekt sein, um etwas in uns zu bewegen.

Wenn wir beginnen, Menschen hinter ihren Geschichten zu sehen, entsteht Verständnis. Und vielleicht entdecken wir dabei nicht nur, was wir von anderen lernen können – sondern auch, welches Vorbild in uns selbst steckt.

Menschlichkeit beginnt dort, wo wir den Menschen hinter der Geschichte sehen – ohne ihn auf ein Podest stellen zu müssen.

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